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Maximilian Mangold

Maximilian Mangold gehört sicher zu den eher bescheidenen Menschen, er drängt sich nicht in den Vordergrund und ist frei von Arroganz, mit anderen Worten, ein sehr angenehmer Gesprächspartner. In seiner Ruhe ist er aber äußerst überzeugend und macht in und mit der Musik nichts unbedachtes. Dennoch klingt sein Spiel nicht akademisch oder gekünstelt sondern voller Gefühl und voller Spaß an der Musik. Das Fono Forum krönt ihn zu dem "im Augenblick interessantesten deutschen Gitarristen". Er besitzt ein enorm großes Repertoire, das sich auch in zahlreichen CD-Einspielungen dokumentiert, die in der Fachpresse als Referenzeinspielungen gepriesen werden. So wundert es keinen, dass er Preisträger einer großen Zahl renomierter Wettbewerbe und ein gern gesehener Gast auf großen Festivals und Musikreihen, auch außerhalb der Gitarrenszene ist. Er ist kein Mensch für das Banale oder für die Effekthascherei, er will mehr von der Musik als nur einen kurzen Moment, sie soll ihn und seine Zuhörer auch nach dem Konzert noch berühren und ausfüllen können. Dieses Ziel ist hoch gesteckt und Maximilian Mangold schafft es, nicht dahinter zu bleiben. Die 1½ Stunden des Platero-Programms im Bad Hersfelder Buchcafé vergingen wie im Flug und wäre es doppelt so lang gewesen, wir hätten die Zeit nicht gemerkt. Jetzt, einige Wochen später hatten wir die Möglichkeit zu diesem Interview, eine Chance die ich gern genutzt habe.

Wir haben uns nach einem Konzert kennen gelernt, in dem du zusammen mit dem Sprecher Stefan Müller-Ruppert Mario Castelnouvo-Tedescos wunderschöne Vertonung des Buches "Platero und ich" auf eindrucksvolle Weise aufgeführt hast. Wie seid ihr auf dieses Stück gekommen?

Maximilian Mangold: Die Notenausgabe von "Platero und ich" war mir schon lange bekannt, ebenso das gleichnamige Buch von Juan Ramon Jiménez. Mir fehlte nur der richtige Sprecher. Als ich dann zufällig Stefan Müller-Ruppert in einer Opernaufführung erlebte, wurde mir schnell klar, dass er der Richtige ist. Ein "Nur-Schauspieler" genügt nämlich nicht. Für "Platero und ich" muss der Sprecher ein wirklich fundiertes musikalisches Verständnis haben.

Der "Platero" von euch klingt so selbstverständlich, aber kann man dieses Stück üben wie ein Werk für Gitarre und Gesang?

Maximilian Mangold: Es ist für den Sprecher sehr schwierig den Sprachfluss zeitlich so zu gestalten, dass er mit Castelnuovo-Tedescos musikalisch textnaher Ausdeutung übereinstimmt. Wir haben jeden Satz geprobt und dann mit und ohne Text aufgenommen. Stefan hat viel mit meiner Gitarrenstimme vom Band alleine geübt. Er musste für sich eine ganz eigene Zeichensprache entwickeln, um das Sprechtempo beim Rezitieren genau zu finden. Darüber hinaus hat er sich auch alle wichtigen musikalischen Fixpunkte in den Text eingetragen. Hinzu kommt, dass wir den Zyklus oft aufführen und das ist natürlich die beste Übung.

Das Duo Gitarre und Sprecher ist nur eines deiner Ensembles, könntest du dir vorstellen, dass die Kammermusik eine Chance ist die Gitarre wieder einem breiteren Publikum näher zu bringen?

Maximilian Mangold: Ich glaube schon. Mit "Platero und ich" spricht die Verbindung von Musik und Literatur einen Interessentenkreis an, der über die Gitarrenliebhaber hinausreicht. Besonders, wenn man mit anderen Instrumenten Ensembles bildet, erreicht man auch Zuhörer außerhalb der Gitarrenszene. Aber deshalb habe ich die Ensembles, in denen ich spiele, eigentlich nicht initiiert. Der Grund liegt vielmehr in der Inspiration und Herausforderung, die davon für mich ausgeht. Mir macht das unglaublich viel Spaß.

Du hast noch vier weitere Ensembles, wo liegen da die Schwerpunkte?

Maximilian Mangold: Mit dem Vlach-Quartett Prag konzertieren wir zum einem mit einem spanischen und zum anderen mit einem italienischen Programm, wobei sich jeweils Gitarren-Quintett, Streichquartett und Gitarre solo abwechseln. Mit Stephanie Hamburger, Flöte spiele ich Werke aus allen Epochen. Mit ihr und dem Bratscher Christian Euler bilden wir das "Trio Kontraste". Neben Werken des 19. Jahrhunderts haben wir auch viel Zeigenössisches im Repertoire. Ganz aktuell ist mein Duo mit dem Cembalospieler Kristian Nyquist.

Ist das dein Beitrag zur Barockmusik?

Maximilian Mangold: Wir spielen ein Programm in dem sich Neue und Alte Musik abwechseln. Die Sonaten von Tommaso Giordani und Francesco Geminiani, die eigentlich für die "English Guitar" geschrieben wurden, klingen sehr schön in dieser Besetzung. Wir wollen künftig noch mehr zeitgenössische Musik erarbeiten, wobei wir nicht nur moderne Musik im eigentlichen Sinne des Wortes spielen, sondern z.B. auch die Sonate von Ponce und die Werke von Juan Manuel Cortes. Außerdem haben wir auch ein Programm für Hammerflügel und historische Gitarre mit Werken des 19. Jahrhunderts.

Neben deiner Ensembletätigkeit trittst du auch viel solistisch auf und hast dich als einer der wenigen an Hans Werner Henzes "Royal Winter Music" gewagt und eine viel gerühmte Reverenz-CD eingespielt. Was ist das Besondere an diesem Werk?

Maximilian Mangold: Die beiden "Royal Winter Music-Sonaten" beruhen in den einzelnen Sätzen auf Gestalten aus Shakespeare-Dramen. Gleichwohl ist das keine Programmmusik. Die Shakespeare-Figuren sind für Henze lediglich Inspirationsquelle. Henze ist hier eine unglaublich emotionale, dramatische und in großen Teilen auch lyrische Musik gelungen. Es ist ein einzigartiger Zyklus und ein Werk, das überall hoch geschätzt wird, weil es große Musik ist.

Wer gehört für dich noch in die Reihe der großen Geister die für Gitarre komponiert haben?

Maximilian Mangold: Das goldene Zeitalter der Gitarre ist das 20. Jahrhundert. Fast jeder große Komponist unserer Zeit hat für Gitarre geschrieben. Das sind Werke, die auch in der allgemeinen Klassikszene anerkannt wären, wenn sie denn nur öfters gespielt werden würden. Neben Henze denke ich da an die vielen englischen Komponisten, die für Bream geschrieben haben, also Britten, Walton, Berkley, Tippet, Maxwell Davies u.a. Darüber hinaus Takemitsu, Carter, Ginastera, Jolivet, Petrassi, Leyendecker, Takacs, Hetú, Berio und viele andere, aber auch zahlreiche jüngere Komponisten wie Glanert, Heusinger, Müller-Wieland, um nur einige zu nennen. Es ist eine große Chance sich dieser Werke anzunehmen. Es sind Werke von Komponisten, deren Opern, Sinfonien, Streichquartette usw. gespielt werden. Bei solchen Komponisten, die nicht nur in der Gitarrenszene Bedeutung haben, liegt für mich ein maßgeblicher Bereich für die Zukunft.

Wie steht es mit Moreno-Torroba, dem du eine wunderschöne ganze CD gewidmet hast?

Maximilian Mangold: Vieles aus dem sogenannten Segoviarepertoire ist wunderbare Musik. Speziell Torroba ist für mich, das mag vielleicht etwas hochgegriffen sein, so etwas wie "der Mozart des Spanischen Nationalstils", denn er besitzt außerordentlich großen melodischen Einfallsreichtum. Seine Musik ist voller Poesie und die impressionistische harmonische Sprache ist auf der Gitarre enorm wirkungsvoll. Besonders die "Puertas de Madrid" und die "Pièces caractéristiques", welche auch auf meiner CD sind, sind Perlen in der Spanischen Gitarrenmusik. Das spanische Repertoire liebe ich überhaupt sehr. Meine neueste CD ist deshalb erneut eine spanische und Federico Mompou gewidmet. Neben der "Suite compostelana" habe ich von Jörg Falk einige ganz tolle Bearbeitungen von Mompous "Cancion y danzas" aufgenommen, welche auf katalanische Liedern beruhen.

Welche Projekte hast du als nächstes geplant und soll es eine neue CD geben?

Maximilian Mangold: Im Herbst 2004 wird eine CD mit Werken von Caspar Joseph Mertz, eingespielt auf einer historischen Gitarre, erscheinen. Weiter plane ich zusammen mit K. Nyquist eine CD mit Werken für historische Gitarre und Hammerflügel. Mit der Biedermeiergitarre möchte ich gerne Kammermusik im Duo mit historischer Klappenflöte machen. Außerdem schwebt mir eine Ponce-CD und ein weiteres CD-Projekt mit Werken der klassischen Moderne vor. Zur Zeit bereite ich mich neben Konzerten auch auf eine Rundfunkproduktion für den SWR vor. Hierbei handelt es sich um Solowerke von Jolivét, Glanert und Smith Brindle.

Gibt es für die Klassische Avantgard wie Jolivét oder Henze eine Hörerschaft oder ist das eher Musik für einen kleinen, sehr speziellen Hörerkreis?

Maximilian Mangold: Diese Hörerschaft gibt es durchaus. Ich glaube, dass der Kreis jener Musikliebhaber, die sich allgemein für das 20. Jahrhundert und dessen herausragenden Komponisten interessieren, vielleicht sogar größer ist als die Liebhaber typischer Gitarrenmusik. Das bezieht sich aber mehr auf meine CD-Konzeptionen. Meine Konzertprogramme richten sich natürlich schon danach, ob ich in einer Reihe für Neue Musik spiele oder ein Konzert vor einem nichtspezialisierten Hörerkreis.

Hast du eine Idee, welchen Weg die "klassische" Musik in der ersten Hälfte des neuen Jahrhunderts nehmen wird?

Maximilian Mangold: Das ist eine schwierige Frage und meine Antwort kann nur eine sehr persönliche Einschätzung sein. Die wirtschaftliche Gesamtsituation und der Umfang an Förderung der klassischen Musik werden sich mittelfristig kaum wieder bessern. Schade ist - und davon sind wir Gitarristen besonders betroffen - dass zwar weiterhin viel Geld in große Eventveranstaltungen investiert wird, die komunale Kulturförderung von Kammermusikkonzertreihen in kleineren Städten aber ständig abnimmt. Was mich umtreibt, ist der Modetrend zum "Crossover" und "Classic Light", den man gerade auch in der zeitgenössischen Gitarrenmusik beobachten kann. Mir erscheint das als eine Verflachung des Anspruchs und diesen Weg will ich nicht gehen. Ich bin sicher, dass es auch weiterhin einen Bedarf an anspruchsvoller klassischer Musik geben wird. Die Neue Musik hat nach 1945 sicherlich so manche Entwicklung genommen, die man nicht ganz nachvollziehen kann. Das bewußte Brechen mit der Tradition und die Konstruktion des Werkes hatten Vorrang vor der inhaltlichen Aussage und dem persönlichen Ausdruck. Das ist jedoch längst vorbei und es gibt viele junge Komponisten, die spannende Musik schreiben, sich aber keineswegs dem gefälligen Zeitgeist annähern.

Vielen Dank für dieses Interview

Holger Reuning

Diskographie:

  • Federico Moreno Torroba: Spanische Gitarrenmusik (M 56833)
  • Platero und ich - andalusische Elegie für Sprecher und Gitarre (M 56839, 2 CDs mit Stefan Müller-Ruppert, Sprecher)
  • Hans Werner Henze: Royal Winter Music (M 55711)
  • Englische Gitarrenmusik: Britten, Walton und Bennett(M 56824)
  • Meisterwerke der klassischen Moderne: Strasfogel, Henze, Ghedini, Farkas, Leyendecker und Genzmer (M 56864)
  • Central Guitar: Werke von Dowland, Bach, Ponce, Rodrigo und Gismonti
  • Federico Mompou: Gitarrenwerke - Cancion y Danzas und Suite Compostelana (M 56853)
  • In Kürze ebenfalls bei Musicaphon: Caspar Joseph Mertz: Gitarrenwerke (mit historischer Gitarre)

Weitere Infos unter: www.maximilianmangold-gitarre.de

CD-Kurzbesprechung.

Meisterwerke Der Klassischen Moderne

Musicaphon M 56846

Auf der CD Meisterwerke der Klassischen Moderne gibt Maximilian Mangold einen gekonnten Überblick über die Gitarrenmusik der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Mit Werken von Henze, Genzmer, Farkas u.a. zeichnet er ein deutliches Bild dieser Zeit. Hier zeigt sich die große Souveränität Mangolds sowohl in der musikalischen Herangehensweise, als auch in der Beherrschung seines Instruments. Preziese arbeitet er die Strukturen der Werke heraus und macht ihre Vielschichtigkeit deutlich. Sehr musikalisch und mit einem großen Ton wird hier ein halbes Jahrhundert gewürdigt.

Zur Auswahl

Stefan Grasse

Bei Stefan Grasse prallen die Welten aufeinander, ein Intellektueller der aus dem Bauch spielt. Er ist in der Klassik genauso zu Hause wie im Jazz, und seine CDs geben darüber Auskunft, daß er sich in keinem der Lager zu verstecken braucht. Er ist in der Lage, scheinbar getrennte Welten zusammen zu führen und frei von allem Schubladendenken Musik zu machen.

Du hast mittlerweile 4 bis 5 CDs gemacht, zwei klassische und zwei Latino-Jazz CD, bist du der Klassiker der zum Jazz ging oder umgekehrt, wie ist das bei dir?

Stefan Grasse: Ja, es sind schon 5 CDs. Die erste, eine Klassik-CD mit Komponisten aus Nürnberg, habe ich gleich nach meinem Studium an der Royal Scottish Academy of Music and Drama gemacht. Schottland hatte mich sehr beeindruckt. Es gab dort z. B. das Scottish Music Information Center in der alle Musik, die jemals in Schottland komponiert wurde, gesammelt wurde und damit zugänglich war. Ich kam also zurück und fragte mich gerade, ob es so etwas auch wenigstens für Gitarrenmusik in Deutschland gäbe, als ein Nürnberger Produzent mich nach einem ausgefallenen Programmvorschlag für Gitarre zwecks CD-Veröffentlichung fragte. Mein etwas blauäugiger Vorschlag damals war "Nürnberger Meister", Lauten- und Gitarrenmusik aus Renaissance, Barock und Moderne. Zwei Jahre lang mußte ich recherchieren und üben, bis meine erste CD fertig war. Aber zurück zu Jazz und Klassik. Mein allererster Gitarrenunterricht war klassisch, aber mit 15 wollte ich unbedingt Improvisieren lernen und grooven. Meine Mutter bezahlte mir die Klassikstunden und mit meinem Taschengeld bezahlte ich parallel dazu meinen Jazzgitarrenlehrer. Das Taschengeld reichte natürlich nicht aus, aber irgendwie klappte es doch. Mit 17 hatte ich mich dann entschlossen, ein Studium an der Jazz School München, damals unter Joe Haider, anzufangen. Beim Abschlußkonzert der Jazz School spielte ich bereits Jazzstandards auf der Klassikgitarre. Das war sozusagen mein Ding: die Möglichkeiten der Fingerstyle-Technik, der sonore Klang der klassischen Gitarre und dazu die Freiheiten der Improvisation. Da gab es jede Menge zu Tüfteln an Skalen und Akkorden. Daß dieser Weg möglich war, zeigten mir meine Heros wie Egberto Gismonti, Ralph Towner oder Paco de Lucia. Mit 19 Jahren hatte ich dann bereits meinen Abschluß an der Jazz School. Was mir nun fehlte, war eine wirklich gute klassische Ausbildung. Schließlich fühlte ich mich mit 19 überhaupt noch nicht "fertig". Ich war sehr glücklich, als ich einen Studienplatz erst am Nürnberger Meistersinger-Konservatorium und dann an der Royal Scottish Academy bekam.

Was denkst du über den Einfluß der einst so streng getrennten Musikstile aufeinander, bei dir und überhaupt?

Stefan Grasse: Ich glaube, daß die verschiedenen Musikstile gar nicht so voneinander getrennt waren. Ich glaube eher, daß die klassischen Musiker, insbesondere die Dirigenten und das bürgerliche Publikum unglaublich erfolgreich waren, der klassischen Musik die Aura des über alles erhabenen Meisterwerkes aufzusetzen. Diese Branche lebt heute noch vergleichsweise gut von diesem Image. Das bürgerliche Publikum fühlt sich doch unwohl, wenn es sich einer Improvisation mit allen Risiken auszusetzen muß. Die Improvisation ist aber das Wesensmerkmal des Jazz, work in progress, Chance und Absturzgefährdung in einem. Bach und Beethoven sollen ebenfalls meisterhaft improvisiert haben. Ich für mich versuche folgendes zu verbinden: klassische Klangkultur und Spieltechnik, mit spontanem Komponieren, also improvisieren, eingebettet in eigene Kompositionen. Bei den eigenen Kompositionen haben mich in den letzten Jahren besonders die Rhythmik und Melodik der brasilianischen und spanischen Musik beeinflußt. Die Harmonik gerade in den flamencoartigen Stücken sind aber eher jazzmäßig ausgeweitet. Neuere Stücke haben teils ungerade Metren und lehnen sich atmosphärisch an Ralph Towner an.

Bei deinen Jazz-CDs ist mir aufgefallen, daß du keine Konzertgitarre spielst, sondern eine Nylon-E-Gitarre, geht es dir da um den Sound, oder um das Lautstärken Problem?

Stefan Grasse: Bei der ersten CD mit dem Trio Asab spielte ich eine ganz normale Konzertgitarre von Gioachino Giussani aus Italien. Bei meiner letzten CD "Tierra del Sur" habe ich die Frame Works Guitar von Frank Krocker benutzt. Das hatte einen ganz einfachen Grund: die Gitarrentracks habe ich Zuhause digital aufgenommen, ohne Micro, denn bei uns leben vier Kinder und die achten naturgemäß nicht sonderlich darauf, daß ich mal was aufnehmen will und eventuell ein bißchen Ruhe bräuchte.

Auf deiner CD "Ripples" widmest du dich der Minimal Music und spielst selber mit dir Gitarre, wie ich in der Süddeutschen Zeitung lesen konnte, bist du mit diesem Programm auch auf Tour gegangen, wie muß man sich das vorstellen?

Stefan Grasse: Das war ein sehr aufwendiges Programm. Jedes Stück hatte eigene technische Anforderungen. Bei der Titelkomposition "Ripples" spielte ich exakt im Rhythmus zu einem Stereo-Delay. Ähnlich wie in der indischen Musik baut sich jeder Abschnitt zum Höhepunkt langsam auf und bricht recht schnell danach ab. Die anderen Kompositionen hatten alle Zuspiel-CDs, die ich alle selbst produziert hatte. Da waren "Violin Phase" oder besser "Guitar Phase", einem frühen Stück von Steve Reich sowie sein "Electric Counterpoint" und "Nagoya Guitars", ein Duett, welches mir David Tanenbaum gegeben hatte. Von Leo Brouwer spielte ich aus seiner Minimal Phase in den Achtziger Jahren das Solostück "Cuban Landscape with Carillons" und die "Cuban Landscape with Rain", arrangiert für Sologitare und CD. Dann gab es noch das effektvolle "Dark Cloud" für Gitarrenoktett von Eddie McGuire, den ich noch aus meiner Glasgower Zeit gut kannte. Als Höhepunkt und Abschluß des Konzertes wurde "Electric Counterpoint" mit einer hierfür produzierten Videocollage von Gerald Bäumler aufgeführt. Dieses Programm war recht erfolgreich. Ich konnte damit auf verschiedenen Festivals in Deutschland, aber auch im Ausland, sogar in Australien auftreten.

Welche Bedeutung hat deiner Meinung nach die Minimal Music noch im heutigen Musikgeschehen?

Stefan Grasse: Ich glaube, daß die Minimal Music für viele jüngere Komponisten eine ganz selbstverständliche Kompositionstechnik geworden ist. Phil Glass und Steve Reich entwickeln immer noch neue Ideen innerhalb der sogenannten Minimal Music. Eigentlich ist dieser Begriff falsch, denn jeder Komponist versucht doch "Maximal Music", also Musik mit größtmöglicher Wirkung zu schreiben. Terry Riley, einer der Väter dieser Musik, der u. a. das legendäre "In C" geschrieben hatte, spielt bei seinen Soloklavierkonzerten à la Keith Jarrett, Jazzballaden neben modalen Improvisationen mit herrlichen, sehr vielschichtigen Minimal Patterns und vor allem auch indische Musik. Afrikanische und indische Musik sind die wichtigsten Wurzeln der Minimal Music.

Wie ist deine Beziehung zu Villa-Lobos, dem du ja auch eine ganze CD gewidmet hast?

Stefan Grasse: Mit der Musik von Villa-Lobos kam ich schon als Kind in Kontakt. Ich war ganz gebannt von der Toccata aus der zweiten Bachianas Brasileiras, diese wunderbare Homage an den ländlichen Bummelzug. Später als Gitarrenschüler lernte ich die "Zwölf Etüden" kennen und war wirklich wie paralysiert als ich sie zum ersten Mal hörte. Diese Raffinesse, diese technische Verwegenheit, seine Sentimentalität im Wechsel mit schwindelerregenden Klangkaskaden waren so faszinierend. Die Liebe zu Bach ist immer wieder hörbar. Seine Musik ist ein echtes Geschenk an uns Gitarristen. Auch mag ich seine nicht so ganz akademische Art. Schließlich spielte er ja seine Choros in Bars und Cafés und improvisierte dabei auch. Mit meinem Trio habe ich schon oft seinen Choro Nr. 1 in Jazzclubs usw. gespielt und wir improvisieren auch darüber.

Veranstaltest du auch Konzerte?

Stefan Grasse: Was ich veranstalte, sind die jährlich im März stattfindenden "Nürnberger Gitarrennächte". Es sind reine Konzertnächte, stilübergreifend, mit einer Mischung aus regionalen und internationalen Künstlern. David Tanenbaum, Uwe Kropinski, Ferenc Snetberger, Peter Finger, Robert Wolf, Michael Sagmeister und viele mehr waren schon hier. Es ist ein Minifestival mehr für akustische Gitarre, mit immerhin 350 bis 500 Besuchern.

Deine Platten sind bei Xolo Music erschienen, was verbirgt sich dahinter?

Stefan Grasse: Xolo Music ist ein Label, welches ich selbst gegründet habe. Meine ersten drei CDs sind bei anderen Labels erschienen. Meine Erfahrungen und auch die vieler meiner Musikerkollegen mit Labels sind nicht so positiv. Es ist sehr schwierig die CD-Verkaufsabrechnungen zu überprüfen. Auch gibt es immer wieder Enttäuschungen auf beiden Seiten. Einerseits muß das Label den schwierigen CD-Markt berücksichtigen und versucht die Künstler exklusiv an sich zu binden. Die Künstler andererseits möchten möglichst viele verschiedene CDs aufnehmen und sich mit unterschiedlichen Besetzungen oder unterschiedlichen Repertoire profilieren. Da sind die Konflikte natürlich vorprogrammiert. Inzwischen habe ich alle Rechte an meinen früheren CDs erworben und sie in den Xolo Katalog übernommen. Es gibt zwei Produktlinien, Xolo Classics mit klassischer Musik und Xolo World of Jazz & Ethno. Da jetzt der Produktionsbetreuung, die Promotion, der Direktvertrieb und auch die Konzertaktivitäten in meinem Büro zusammenlaufen, hat man natürlich Koordinationsvorteile. Es sind inzwischen auch Klassik-CDs mit dem Serapion Duo oder dem Dirigenten Alexander Leibreich erschienen. In diesem Jahr sollen noch Notenhefte zu zwei meiner CDs erscheinen.

Du spielst noch zusammen mit der amerikanischen Cellistin Prof. Dr. Tess Remy-Schumacher, euer Programm besteht, soweit ich es kenne, aus spanisch-romantischer Literatur, wird es da auch demnächst eine CD geben?

Stefan Grasse: Ja, es wird eine CD mit Tess geben. Die Duokompositionen sind bereits aufgenommen und nächstes Jahr werden wir noch ein paar Stücke mit ihrem sehr guten Celloensemble der Universität, bei denen ich teilweise mitspiele, hinzufügen. Tess ist ein großartiger Mensch und hat eine unglaublich innige Beziehung zu ihrem Instrument. Sie spielt jeden Tag viele Stunden auf ihrem Cello und ist absolut eins mit ihm. Sie hat bei so vielen großen Cellisten wie Boris Pergamenschikow, Jacqueline du Pre und Lynn Harrell studiert, daneben viele Wettbewerbe gewonnen und bereits vor einigen Jahren ihre Debüts in der Carnegie Hall und Wigmore Hall gegeben. Imposant ist auch, daß sie nach einem Intercontinentalflug aus dem Flugzeug steigt und wirklich noch am gleichen Tag eine Duo- oder Orchesterproben machen kann. Unser derzeitiges Programm besteht natürlich nicht nur aus spanisch-romantischer, sondern auch aus lateinamerikanischen Musik von Villa-Lobos, Zenamon und Gnattali. Von Villa-Lobos haben wir ja bereits die "Modinha", die "Bachianas brasileiras Nr. 5" und die Filmmusik "Tarde Azul" auf der gleichnamigen CD "Tarde Azul" eingespielt. Die "Reflexões No. 6" von Jaime Zenamon gefallen uns ausgesprochen gut. Kennengelernt habe ich Tess 1994 bei dem Musikfestival "Contempofest" in Queensland, Australien. Damals spielte ich dort mein "Ripples - Minimal Music" Programm, aber für den Flötisten und Komponisten Eddie McGuire, den Aboriginal Digeridoo-Spieler Billy Cummins und uns beiden wurde noch ein weiteres Konzert organisiert. Das war sozusagen unser Duo-Debüt innerhalb eines schrägen, quer durch alle möglichen Stile laufenden Programms. Es gibt allerdings noch ein weiteres Duo, mit der slowenischen Flötistin Masa Bertok. Mit ihr spiele ich schon seit unserer gemeinsamen Studienzeit 1991 in Glasgow zusammen. Dort haben wir mit ihrem Professor David Nicholson, aber auch mit dort ansässigen Komponisten wie John Maxwell Geddes und den leider inzwischen verstorbenen Thomas Wilson zusammengearbeitet. Neben der zeitgenössischen Musik haben wir auch viel Bach, Mozart und Schubert gespielt. Das aktuelle Programm ist mehr impressionistisch, romantisch-virtuos und mediterran ausgerichtet: Jacques Ibert, Castelnuovo-Tedesco, Ravel, Villa-Lobos, die "Carmen Fantasie" von François Borne und natürlich Piazzolla.

Wollt ihr euch auch hier auf neue und ausgefallene Pfade begeben?

Stefan Grasse: Mit Tess würde ich gerne ein Doppelkonzert für Cello, Gitarre und Orchester in Auftrag geben. Es haben zwar schon verschiedene Komponisten für uns geschrieben, aber wir sind uns noch nicht ganz sicher, wem wir den Auftrag geben. Es ist wirklich schwierig sich zu entscheiden, da es viele sehr gute Komponisten gibt und es mit Sicherheit eine arbeitsintensive Phase wird, die natürlich auch mit Geld zu tun hat.

Ich weiß, daß du viele Bearbeitungen machst, gibt es da ein paar neue Ideen oder neue Projekte?

Stefan Grasse: Ja, mein neuestes Projekt ist für die Besetzung Gitarre, Streichquintett und Perkussion geplant. Auslöser war eigentlich der Rückblick auf meine Teenagerjahre, mit der Frage, welche Stücke mich wirklich damals berührt haben, die mich wiederum inspirierten, mit aller Kraft an der klassischen Gitarre festzuhalten. Neben den Hits wie "Recuerdos de la Alhambra" und "Asturias" machte natürlich das "Concierto de Aranjuez" einen großen Eindruck auf mich. Letztes Jahr hatte ich in den USA die Möglichkeit dieses Concierto zu spielen. Es war ziemlich viel Arbeit das "Aranjuez" einzustudieren, aber die Aufführung mit großem Orchester entschädigt alle Mühen. Um nun das "Aranjuez" möglichst oft spielen zu können, kam mir nun folgende Idee. Kennst Du vielleicht die Marktplatz-Fassung von Mozart's "Zauberflöte"? So etwas Ähnliches schwebte mir nun für das "Aranjuez" vor. Nach längerem Überlegen arrangierte ich das Konzert für Gitarre, Streichquintett und Perkussion. Das ist eine sehr flexible Besetzung mit großen Ausdrucksmöglichkeiten. Rodrigo verzichtete auf alle Schlaginstrumente, aber in meiner Besetzung geben die Perkussionsinstrumente, besonders in den beiden Ecksätzen einen zusätzlichen Kick. Es ist wirklich ein wunderbares Musizieren: ich kenne die Musik jetzt ziemlich gut, man kommuniziert kammermusikalisch miteinander und es ist große Musik. Das macht einfach Spaß!

Diskografie:

  • Solo:
    • Nürnberger Meister Xolo CD
    • Ripples AHO CD 1031
    • Trade Azul (Villa-Lobos) Sabai 1001
  • Trio:
    • Trio Asab AHO 1028
    • Stefan Grasse Trio Xolo CD 1003
Zur Auswahl

Diane Ponzio

In dem Programmheft steht Singer - Songwriter, das ist sicher nicht falsch, stimmt aber auch nicht so ganz. Sie singt ihre Lieder und spielt dazu Gitarre, aber wer jetzt an 20-strophige langweilig bohrende Sozialkritik mit drei Akkorden denkt liegt völlig daneben. Diane Ponzios Songs kommen direkt aus dem Herzen, sind spritzig, persönlich, aber nie peinlich privat. Sie erzählt aus ihrem Leben aus New York , von Menschen und Personen und von Dingen die ihr wichtig sind. Mit ihren Liedern und ihrer Art zieht sie die Zuhörer in einen Bann der noch über den letzten Ton hinaus anhält. Ihr Gitarrenspiel ist aufregend und ausgeklügelt, und sie wird auf der Bühne zu einer Band , der sich niemand entziehen kann. Im März spielte sie im Buchcafé in Bad Hersfeld und wir konnten uns dort noch ein bißchen unterhalten.

Diane, du bist oft in Deutschland, wie kommt es zu dieser ausgeprägten Beziehung?

Diane Ponzio: Es ist wie die Geschichte des Samenkorns, das zur Blume, dann zum Beet und später vielleicht einmal zum Garten wird. Meine ersten Berührungen mit Deutschland kamen durch Präsentationen für Martin - Guitars zustande. Chris Martin, dem jetzige Inhaber war es zu trocken seine Gitarren nur zu zeigen und darüber zu reden, er wollte, daß sie auch vorgespielt wurden. Aber er wollte dafür niemanden der berühmt ist, weil er nicht wollte, daß die Leute nur kommen um den Star zu sehen, sondern daß sie kommen um die Gitarren zu hören. Und so machte ich meine ersten Erfahrungen mit Deutschland. Ich erinnere mich noch genau, an Musikgeschäft in Braunschweig. Es kamen so viele Leute, daß viele auf der Erde sitzen mußten, es war brechend voll. Sie hörten auf jeden Ton den ich spielte und auf jeden Atemzug den ich tat. Sie hörten so aufmerksam zu, daß ich das Gefühl hatte, sie würden nicht einmal mehr atmen , um nichts zu verpassen. Ich war in diesem Moment so beeindruckt von dem kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Amerika mit seinen vielen und schnell wechselnden Vorbildern, wo sie mit 65 Fernsehkanälen aufwachsen und nie gelernt haben wirklich aufmerksam zu sein. Deutschland ist diesbezüglich etwas ganz besonderes, denn alle Musiker und Musikerinnen die ich kenne und ich denke alle Musiker der letzten 50 Jahre kommen nach Deutschland, weil es hier eine so ungeheure Wertschätzung der Kunst gibt. Nach diesem Auftritt in Braunschweig kam jemand auf mich zu und sagte, er würde mir ein bis zwei Konzerte organisieren, wenn ich das nächste mal nach Deutschland komme. Und so kam es, das ich durch Freunde und Verbindungen der Freunde zu Freunden zwei mal im Jahr nach Deutschland kam um ein paar Konzerte zu spielen. Als ich nach einer dieser Touren nach Hause flog, war ich sehr unzufrieden mit mir, es ärgerte mich, daß ich keine Möglichkeiten hatte den Leuten meine Musik mit nach Hause zu geben, es gab von mir keine Kassette, keine CD, nichts, und warum ? weil ich so blöd war und glaubte, ich müßte auf einen Dicken mit Zigarre warten der reinkommt und sagt: " Hey Kleine, das ist ganz ordentlich was du machst, unterschreib hier." Ich dachte ich muß verrückt sein, um auf eine Plattenfirma zu warten die mir sagt daß ich gut genug bin, also, warum mache ich die CD nicht selber? Und so machte ich meine erste CD. Es war eine aufregende Zeit für mich. Ich erinnere mich noch genau, ich kam mit 100 CDs ( ich hatte Tausend gemacht ) nach Deutschland und war ein bißchen nervös. Mein erster Auftritt mit CDs in der Tasche war in einem gut gefüllten Gewölbekeller in Wolfenbüttel und nahezu jeder wollte meine CD haben, es war ein großartiges Gefühl. Die Konzerttouren wurden immer noch von Freunden organisiert, es war eine gute Zeit, aber sehr unprofessionell und ich wußte nie ob die Konzerte auch stattfanden. Dann, im Oktober 94, hörte mich Günter Pauler von Stockfisch. Nach dem Konzert sagte er mir, daß er gern eine CD mit mir aufnehmen würde. Ich war sehr überrascht, kein Fettman, keine Zigarren und so einfach. Im Juli trafen wir uns, zusammen mit Chris Jones, der auf der CD die zweite Gitarre spielt bei Stockfisch und nach vier Tagen waren die Aufnahmen fertig. Es war die aufregendste und nützlichste Studioerfahrung die ich je hatte, und es war einfach eine schöne Zeit, es war Sommer, abends gingen wir in einem See schwimmen und so entstand meine zweite CD "Army Of Angels". Es war eine Woche die ich nie vergessen werde. Im Oktober hörte ich dann die erste Probepressung, ich war begeistert und wußte es wird eine gute CD. Seit Januar 96 ist sie nun auch im Handel erhältlich. Mit so kleinen Plattenfirmen ist es so eine Sache, auf der einen Seite gehen sie sehr sorgsam mit deiner Musik um und machen eine schöne CD. Aber es gibt nur wenig oder manchmal auch keine Werbung und bei jemanden wie mir, der in Deutschland völlig unbekannt ist, wird die CD kaum in einem Plattenladen verkauft werden, weil auch niemand danach fragt, du mußt sie also selber verkaufen. Die Leute müssen mich im Konzert, oder die CD bei Freunden hören dann kann ich sie verkaufen. Und das ist sehr viel Arbeit, ich muß alles alleine machen. Auf der anderen Seite, dadurch das ich eine Platte bei einem deutschen Label aufgenommen habe, hatte ich die Möglichkeit einen Agenten zu bekommen, denn die Freundschaftstouren hatten immer etwas von einem Flohzirkus, man weiß nie, bekomme ich genug Gigs.......... Im März 96 fuhr ich nach Freiburg, ein Freund, machte mich unter anderem mit Joachim Fischer bekannt, der nun schon drei Touren für mich organisiert hat. Das ist schon ein riesen Unterschied, es gibt Verträge, und wenn ich ankomme ist alles organisiert und ich merke das die Samen Früchte tragen. Für mich ist es dadurch einfacher geworden, denn ich spiele ca. 15 Konzerte pro Tour, kann meine CDs verkaufen und das Publikum ist immer noch das Beste der Welt.

Du sagst, daß dein Publikum sehr aufmerksam ist, meinst du es liegt nur daran das wir in Deutschland sind?

Diane Ponzio: Meine Musik ist sehr persönlich und viele in der Branche glauben das es sehr schlecht für das Geschäft ist, weil niemand etwas persönliches hören möchte. Ich glaube das diese Leute mit dieser Meinung voll danebenliegen ! Ich glaube, das wir Menschen das sehen und fühlen wollen was wahr ist und das wir ein großes Interesse an der Wirklichkeit haben. Ich denke, wenn ich eine Geschichte erzähle die sehr persönlich ist, ich meine nicht: " Ohje, ich habe mir meinen Fingernagel abgebrochen!", das ist zwar persönlich, aber völlig uninteressant und unwichtig, dann soll sich jeder im Saal damit identifizieren können. Wenn ich z.B. von meinen Eltern erzähle die einfach älter werden, so kann das jeder nachvollziehen, weil jeder Eltern hat, oder Verwandte die älter werden und so hat jeder eine Beziehung zu diesem Thema. oder der Konflikt den jeder kennt, daß wir Dinge tun , die wir nicht tun wollen, ein Thema gerade für die jungen Leute die sich mit 22 fragen: "oh Gott, soll ich das mein Leben lang machen?". Ich denke ich habe auch viel zu verschiedenen Aspekten der amerikanischen Kultur zu sagen. Wenn ich an die Konzerte denke die ich gehört habe, so waren die, die wie die CD klangen nicht sehr aufregend. Bemerkenswert waren die Konzerte in denen die Musiker es einem möglich machten ihrer Person, - ihrer Persönlichkeit zu folgen. In den 80er Jahren hörte jeder Bruce Springsteen, und bis ich ihn auf der Bühne gesehen hatte, mochte ich seine Platten nicht besonders. Sein Konzert war unglaublich, er hat wirklich Kontakt zum Publikum, und so bekamen seine Platten auch für mich Leben. Deshalb glaube ich, wenn man in ein Konzert geht und den Künstler ein bißchen versteht, versteht man auch ein bißchen mehr von sich selbst. Und wenn ich auf die Bühne gehe und singe und erzähle, bin ich mit meinem Publikum wirklich in einer Unterhaltung. Sicher, ihr Part ist eher ruhig, aber sie unterhalten sich dennoch mit mir, denn ich kann in ihre Gesichter sehen, ich sehe sie lachen und manchmal sehe ich auch eine Träne und ich merke die Leute können auch fühlen was ich meine, darum geht es mir. Ich möchte daß sie lachen , daß sie traurig sind und daß sie nach dem Konzert ein paar Dinge mit anderen Augen sehen. Wenn ich das in zwei Stunden geschafft habe, habe ich geschafft was ich schaffen wollte. Aber um das zu erreichen muß man ehrlich sein und sein was man ist. Ich kann nicht auf die Bühne gehen und über Dinge singen und reden die ich nicht fühle und an die ich nicht glaube. Musik in ihrer besten Form ist eine sehr spezielle Art der Kommunikation, du kannst sie fühlen, sie ist nicht zur Unterhaltung, oder für den Hintergrund.

Du singst sehr leidenschaftlich, deine Stimme ist sehr dynamisch und unglaublich kraftvoll, hast du jemals Unterricht gehabt?

Diane Ponzio: Oh ja, ich habe sieben Jahre lang zwei mal in der Woche bei einer Opernsängerin Unterricht gehabt. Alles was ich kann habe ich von ihr. Davor habe ich natürlich auch gesungen, aber ich habe nicht gewußt was ich mit meiner Stimme gemacht habe. Von ihr habe ich gelernt, daß sich Singen zu 90% im Kopf abspielt. Selbstverständlich braucht man zum Singen Muskeln, aber mit Gefühl singen und jede Note hören bevor man sie singt ist viel mehr und es ist dazu noch eine gute Übung für Geist und Verstand. Ich liebe es zu singen, ich bin sehr vorsichtig mit meiner Stimme, ich trinke und rauche nicht - überhaupt nicht - und das ist ein großer Vorteil beim Reisen, ich kann Abend für Abend ohne Probleme singen. Es ist wichtig, daß man mit seiner Stimme sorgsam umgeht, der Körper ist das Instrument und man kann nicht, wie beim Schlagzeug, einfach ein neues Fell aufziehen wenn das Alte zerrissen ist. Beim Singen muß man immer da sein wo man ist, wenn man den Augenblick aus den Augen verliert, verliert man auch die Stimme und sein Publikum. Es ist wie ein Hochseilakt, du mußt immer in der Bewegung sein die läuft, nicht davor und nicht dahinter. Stimme und Gitarre sind für mich wie ein Ehepaar, sie gehören zusammen, sie unterstützen sich gegenseitig und ich habe eine gleichstarke Beziehung zu beiden. Deshalb gehören für mich auch Singen, Gitarrespielen und Liederschreiben direkt zusammen.

Kannst du uns etwas über deine sehr spezielle Art des Gitarrenspielens sagen?

Diane Poncio: Die Gitarre ist ein häufig mißverstandenes und mißbrauchtes Instrument, fast jeder auf der Welt kann ein oder zwei Akkorde spielen, und fast jeder hat irgend eine Gitarre im Haus. Leider Sind das furchtbar schlechte Instrumente, und wenn jemand versucht darauf Gitarre zu lernen wird er höchstens frustriert. Jeder der Gitarre lernen möchte, sollte soviel Geld wie möglich anlegen und sich ein vernünftiges Instrument kaufen. Das macht es einfacher Gitarre zu lernrn, denn gitarrespielen ist nicht leicht. Ich habe nie Gitarre gelernt oder studiert, ich habe Musiktheorie gelernt, Blattsingen , Notenschreiben, aber ich hatte nie Gitarrenunterricht. Ich habe Gitarre gelernt, weil ich es unbedingt wollte. Meine erste Gitarre war von "New York City Kaufhof" und es war ein grauenhaftes Instrument, aber ich habe sie geliebt. Ich war noch sehr jung, ich glaube 13, und ich habe, wie die Hälfte unser Generation mit Beatles Songbooks und den entsprechenden Akkorddiagrammen und Akkordsymbolen über dem Text Gitarre gelernt. Irgendwann habe ich angefangen mir meine eigenen Akkorde zu machen und glaubte ich hätte sie erfunden, natürlich gab es sie schon. Eines Tages bekam ich ein Buch mit Akkorden, so ein Akkordlexikon, mit über 1000 Akkorden geschenkt, das hat mir eine ganz neue Welt eröffnet, weil die Akkorde auch für alle möglichen Positionen auf dem Griffbrett gezeigt wurden. So bekam ich zu den Akkorden auch noch die Voicings geliefert. Am Anfang meiner Kariere bestanden meine Lieder aus den Akkordverbindungen die ich kannte und mochte und alle Stücke klangen irgendwie gleich, weil ich nur ein paar Harmonien kannte. Als ich dann mehr Akkorde kannte und mehr über Akkorde wußte, konnte ich auch besser damit umgehen, ich konnte sie gezielt einsetzen. Ich schrieb jetzt meine Lieder in verschiedenen Tonarten, in unterschiedlichen Tempi und so bekamen meine Stücke auch einen unterschiedlichen Charakter. Das ist die Zeit in der mir klar wurde, daß die Gitarre ein percussives Instrument ist. Vielen die auf der Gitarre spielen ( schraddeln ) ist nicht klar, daß nicht immer alle Saiten klingen müssen, du kannst selbst mit drei oder vier Saiten ein volles Akkordfeeling erreichen. Mit der rechten Hand hat man die Möglichkeiten eines gesamten Schlagzeugs, denn jeder Finger kann etwas anderes machen, einer kann die Saite zupfen, ein anderer die Saite schlagen und man kann auf den Korpus schlagen. So kann man auch als Sologitarrist den Eindruck erwecken, daß eine ganze Band auf der Bühne steht. Es gibt große Vorurteile und sehr stereotype Vorstellungen gerade in Bezug auf Gitarristinnen, Singer - Songwriterinnen. Sobald eine Frau mit einer akustischen Gitarre auf der Bühne erscheint, denken alle an näselnden Gesang und viel Langeweile. Das macht mich sehr ärgerlich, weil es natürlich ein übles Vorurteil ist und ich lasse keine Chance aus den Leuten zu erklären das es nicht stimmt. Man kann mit der Gitarre jede Art von Musik machen, man kann sie percussiv spielen, du kannst Akzente setzen, du hast unglaubliche Möglichkeiten. Mir ist es z.B. wichtig dem Zuhörer Platz zu lassen, um eigenes in die Musik einzufügen. Oft kommen Leute nach dem Konzert zu mir und sagen, daß sie ein tolles Saxophon oder ein schönen Percussionfill gehört haben, man muß den Leuten etwas Platz lassen zum Hören. Das ist für mich auch ein Problem bei Musikvideos, sie lassen keinen Platz für die Phantasie. Für mich ist es schön, Musik zu hören und dabei mein eigenes Video im Kopf laufen zu lassen.

Ich mag Jazz, ich mag Blues, einen Teil der Folkmusik, ich mag Rock´n´Roll, Reagge, Salsa........und ich habe die Möglichkeit Dinge die mir gefallen so zu verbinden, daß sie zu meinem eigenen Persönlichen Stiel werden. Das ist in der momentanen Muzsikindustrie sicher nicht sehr populär. Die Leute wollen eine Schublade in die sie einen stecken können, und ich will mich in keine Schublade zwängen oder mich eingrenzen lassen, aber ich bin mir sicher das jeder sofort hören kann, wenn ein Lied von mir ist. Und das ist der Punkt, ich habe meinen eigenen Steil, auch wenn ich mir hier und da etwas ausborge. Natürlich ist es dann schwerer einzuordnen und noch schwerer kommerziell zu vermarkten. Die ganze Idee der Kommerzialisierung basiert darauf, wichtig zu sein und Geld zu haben. Aber wenn ich wichtig bin, was passiert dann mit dir ? Es macht dich unwichtig, und das ist kein Spiel das ich spielen möchte, ich bin ja kein bißchen wichtiger als du oder irgend jemand sonst.

Du hast erzählt, daß du mit Martin - Guitars ein neues Modell für Frauen entworfen hast, wie kam es dazu?

Diane Ponzio: Als Gitarristin hatte ich das Gefühl, daß gerade Dreadnought-Gitarren für Frauen nicht gut zu spielen sind und ich glaube, daß die Gitarre ein wunderbares Instrument ist, sie hat die Möglichkeit, einen wirklich guten Sound zu produzieren und sie ist ein Instrument das dir die Möglichkeit gibt, mit dir selbst zu kommunizieren. Die Frauen sind noch ein bißchen aus der Gitarrenwelt ausgeschlossen, daß liegt einmal an der Gitarrenform , und zum anderen an der männlichen Überheblichkeit. Es gibt einfach noch zu viele Vorurteile, viele denken, wenn sie eine Frau mit Gitarre sehen an Singen durch die Nase und an Blumen im Haar. Diese Vorurteile müssen wir einfach aufbrechen, weil sie nicht mehr wahr sind und ich habe großes Interesse daran für Gitarren Werbung zu machen, die auch von Frauen gut gespielt werden können. Ich habe in Deutschland noch keine Gitarristin getroffen, wo sind sie ? Sie müssen doch irgendwo sein, ich würde sie gerne treffen. Letztes Jahr war ich auf einem großartigen Festival in Witzenhausen ( mit Alex de Grassi, Jacques Stotzem, Peter Finger und Detlef Bunk ) und ich war froh dort zu sein und glücklich dort auftreten zu können, weil so selten Frauen zu Gitarrenfestivals eingeladen werden. Mir ist es wichtig jeden, aber gerade Frauen jeden Alters zu ermutigen Gitarre zu spielen, und zwar nicht schüchtern sondern richtig, mit viel Spaß.

Wie wichtig ist Musiktheorie für dich?

Diane Ponzio: Oh, gute Frage. Theorie ist sehr wichtig, ich sage immer zu Leuten die glauben es würde ihre Kreativität behindern, wenn sie sich mit Theorie auseinandersetzen, stellt euch vor ihr wollt ein Buch schreiben ohne schreiben zu können. Vielleicht könnte ich sogar grammatikalischen Regeln revolutionieren, aber vorher müßte ich sie kennen. Sich mit Musiktheorie auszukennen heißt doch nur, ein Handwerkzeug mehr in der Werkzeugtasche zu haben, vielleicht benutzt du es, vielleicht auch nicht, aber wenn du es brauchst, ist es da. Theorie ist vor allem eine ganz wichtige Voraussetzung , wenn du mit anderen Musik machen willst, man kann sich dann ganz einfach verständigen und muß nicht alles 30 mal erklären weil keiner versteht worum es geht. Du gibst ihnen den Melodieverlauf und die Harmonien und jeder kann sofort sehen wo es lang gehen soll. Meine letzte Platte, die mit der New Yorker Band, haben wir in 4 Stunden aufgenommen, wir haben zwanzig Stücke in der Zeit eingespielt, live im Studio. Einige Stücke auf der Platte haben wir nur ein einziges mal gespielt, alle können Musik lesen, sie alle haben an Hand der Noten gesehen was in der Musik steckt und konnten dann mit mir meine Stücke spielen. Was kann daran schlecht sein? Und jeder der sagt daß es nicht so wichtig ist, ist nur zu faul! Theorie kann einem nur helfen, und gerade als Songschreiber ist es phantastisch dieses Werkzeug zu haben, du kannst dich selbst kontrollieren, kannst sehen, ob die Melodien in der Harmonie laufen und du kannst eine Melodielinie so verändern, das sie richtig fließt und die richtigen Akkorde und Umkehrungen an der richtigen Stelle stehen. Das Publikum merkt sofort wenn etwas nicht stimmt. Es möchte zwar überrascht, aber nicht für dumm verkauft werden. Es ist doch phantastisch, wenn man neue Lieder schreibt und dann alles zusammenpaßt, und da ist Theorie einfach ein unentbehrliches Werkzeug. Selbst wenn man nur zum Spaß zu Hause mit anderen Musik macht, vereinfacht es das Zusammenspielen, es hilft, ganz bestimmt.

Gibst du eigentlich viel Unterricht?

Diane Ponzio: Ich gebe ein paar Workshops im Jahr, mit verschiedenen Schwerpunkten, aber hauptsächlich bin ich auf Tour und verdiene mein Geld mit Auftritten. Workshops machen mir schon viel Spaß, aber wenn ich es jeden Tag machen müßte würde ich es hassen. Aber so treffe ich ab und an Leute mit denen ich reden kann, ein Grund warum ich lebe, mit Leuten reden ist meine Aufgabe, meine Passion, und es macht einfach Spaß.

( Holger Reuning )

Diskographie:

  • Day In, Day Out
    1992 Soulfeggio Music
    ( Nicht mehr erhältlich )
  • Army Of Angels
    1995 Stockfisch
  • Diane Ponzio live at Master Sound Astoria
    1997 Soulfeggio Music
    ( in Deutschland nur über: Joachim Fischer Staffelgasse 3 74336 Brackenheim )

Zur Auswahl

Belmont Trio

À Trois
Thorofon CTH 2479
Zwei Gitarren & Cello

Die erste CD dieses Trios, dass sich aus zwei schon existierenden Duos zusammengefunden hat, hat mit seinem Debüt-Album ein neuen Standart gesetzt. Peter Ernst, der mit Karin Scholz schon lange als Duo Bergerac fest in der Gitarrenszene verankert ist und mit Maxine Neuman ( New York ) seit einigen Jahren unter dem Namen Claremont Duo konzertiert, spielt nun mit beiden im Trio. Und man kann spüren, dass es sich hier um eingespielte Musiker handelt, die zudem mit ihrem Spaß am Musizieren nicht hinter dem Berg halten. Artikulation und Klangfarbenvielfalt werden auf dieser CD in vollen Zügen ausgenutzt. Schon in den ersten drei Stücken von Astor Piazzolla "Libertango, Tanti Anni Prima und Escualo" zeigen die Drei was möglich ist. Ein sehr gutes Zusammenspiel, eine gut ausgelotete Dynamik und rhythmisch sehr präzise, gibt es keine Chance mehr als Zuhörer zu entkommen und zu genießen. Selten habe ich die Melancholie und Lebensfreude Piazzollas so deutlich wahrgenommen wie bei dieser Aufnahme, wo die Melodiezuweisung der Instrumente klug gewählt und überzeugend interpretiert wird. Die nächsten drei Stücke der Französin Nadia Boulanger sind eine Entdeckung dieses Ensembles, nur selten im Original (Cello / Piano) gespielt, scheinen "Troi Pièces" regelrecht für diese Besetzung gemacht. Kompositorisch sehr interessant, mit schönen Melodien ausgestattet sind sie etwas fürs Herz, ohne aber kitschig zu sein. Dennoch kommen rhythmische Elemente nicht zu kurz. Bachs Gambensonate Nr. 1 erhält durch die zwei Gitarren anstelle des Cembalos mehr Dynamik, die aber nicht übertrieben wird. Die fein herausgearbeitete Polyphonie dieses Werkes führt nicht zu musikalische Einbußen und bietet so Platz für den analytischen, als auch den reinen Genusshörer. Bei den beiden Werken Rachmaninoffs, "Danse Oriental" und der "Vocalise" zeigt das Trio abermals seine hohe Musikalität, mit wunderschönen Klangfarben und einer Ausgewogenheit der Instrumente untereinander wird man einwenig in den Orient entführt und von der Schönheit dieser Musik verzaubert. Das einzige Originalwerk für diese Besetzung auf dieser CD ist von Radames Gnattali. Die Sonatina für zwei Gitarren und Cello ist ein zu unrecht eher unbekanntes Werk, das den musikalischen Weg Villa-Lobos weiter geht und eindeutig zu seinen brasilianischen Wurzeln steht. Zum Schluss erklingen vier Sätze aus Bizets Carmen-Suite. Und der ein oder Andere mag denken: " War's denn nötig!" Aber die Bearbeitungen Maxine Neumans machen einfach Spaß, sie sind witzig und sehr intelligent. Hier zeigt auch das Trio noch einmal welche Klangfarben diese Besetzung bietet und wieviel Spaß musizieren machen kann. Im ganzen - Kammermusik vom Feinsten.

Amadeus-Guitar-duo

Vor sieben Jahren, also 1991, gründeten die Kanadierin Dale Kavanagh und der Isarlohner Thomas Kirchhoff das Amadeus Guitar Duo. Der Erfolg des Duos ist nahezu kometenhaft, das Duo spielte sich in kürzester Zeit in die Top Ten und Komponisten aus aller Welt haben ihnen ihre Werke gewidmet. Das "Concerto Madrigal" von Joaquin Rodrigo für zwei Gitarren und Orchester durften sie dem Meister der Gitarrenkonzerte in ihrer Bearbeitung für zwei Gitarren (ohne Orchester ) vorspielen und (wenn man so will ) absegnen lassen. Dale Kavanagh, auch eine exzellente Sologitarristin, die inzwischen ihre dritte CD aufnimmt und Thomas Kirchhoff, der sich schon durch seine Arbeit mit dem Albeniz-Duo einen Namen gemacht hat, haben eine Duokarriere gestartet, die ihres gleichen sucht. In nicht ganz sieben Jahren haben sie unzählige Konzerte gegeben und drei CDs aufgenommen, die alle positive Kritiken bekamen. Jetzt jetten sie ( mittlerweile verheiratet und zu dritt) um die Welt, geben Konzerte, unterrichten auf Seminaren und organisieren jedes Jahr das Isarlohner Gitarrensymposium, das zu einem bedeutenden internationalen Treff für Gitarristen geworden ist.

Nur kurz, wie fing alles an?

Dale Kavanagh: Wir haben uns in Köln - in einem sehr bekannten Gitarrengeschäft - getroffen und kennengelernt und überlegt, ob wir nicht ein gutes Duo abgeben würden.

Thomas Kirchhoff: Wir haben dann zusammen gespielt und erstmal so ca. 40 Konzerte gegeben - eigentlich mehr um zu sehen , ob wir zusammen passen und ob sich die Arbeit lohnt. Aber es lief sehr gut, und wir hatten sehr schnell 50 bis 60 weitere Konzerttermine zusammen und so haben wir, weil es uns auch Spaß macht, weiter zusammengespielt. Mittlerweile sind wir verheiratet und haben eine Tochter.

Ihr habt ein riesiges Programm, wie habt ihr eure Stücke gefunden?

Thomas Kirchhoff: Wir haben eine ziemlich große Bibliothek und eine riesige CD-Sammlung. Zu dem gehen wir viel in Konzerte, nicht nur in Gitarrenkonzerte, sondern in Konzerte aller Art, und so bekommen wir viel Musik zu hören, und können uns aus dem vielen Material auswählen was uns gefällt. Viele Anregungen bekommen wir aber auch von Kollegen, den Verlegern oder von Komponisten selbst.

Wo liegen eure Schwerpunkte?

Thomas Kirchhoff: Unser Schwerpunkt liegt ganz sicher in der Musik des 20. Jahrhunderts. Allerdings nicht so sehr in der abstrakten Musik wie in dem Werk des Henze Schülers Martin Heckenröder, das wir im Programm haben, sondern eher in der Musik, die mehr die melodischen Aspekte der Musik aufgreift.

Dale Kavanagh: Deshalb spielen wir auch gern die Stücke von Jaime Zenamon, Roland Dyens, Carlo Domeniconi , Steven Dodgson, Gerald Garcia, Christian Jost...... . Diese Musik ist modern und spricht zudem auch noch ein großes Publikum an.

Thomas Kirchhoff: Was nicht heißt, daß es opportunistische Gründe sind, die uns dazu bewegen diese Musik zu spielen, wenn uns die Musik nicht gefallen und Spaß machen würde, würden wir sie auch nicht spielen.

Wie man auf der letzten CD sehen kann, sind euch viele Werke gewidmet worden, sind das Auftragsarbeiten, oder wie kommt es dazu?

Thomas Kirchhoff: Oh, daß ist ganz unterschiedlich, einige Werke wurden tatsächlich von uns in Auftrag gegeben und auch von uns bezahlt. Manchmal bekommen wir aber auch Stücke einfach so zugeschickt, und wenn sie uns gefallen, dann spielen wir sie auch. Wenn uns ein Werk oder mehrere Werke eines Komponisten besonders gut gefallen, dann überlegen wir uns, ob wir den Komponisten fragen, ob er Lust hat für uns ein Stück zu schreiben. Die Komponisten, über die wir eben schon gesprochen haben, haben alle ein oder mehrere Werke für uns geschrieben, einige davon sind sogar für zwei Gitarren und Orchester.

Wie organisiert ihr eure Proben?

Dale Kavanagh: Gar nicht, ( Lachen ).

Thomas Kirchhoff: Wir versuchen zwischen den Konzerttourneen zwei bis drei mal in der Woche zu proben. Das klappt natürlich nicht immer, da Dale ja auch sehr viele Solokonzerte gibt. Während den Tourneen üben wir natürlich erheblich weniger, obwohl wir uns auch da sehr bemühen soviel Zeit wie möglich zum Proben zu haben. Zusätzlich muß ja auch jeder noch etwas für sich allein üben.

Wie sehen eure Proben aus?

Thomas Kirchhoff: Oh je, chaotisch, manchmal gereizt, mal gelassen oder gar langweilig, eigentlich wie das Leben selbst, alles kommt vor, von lustig bis ausgelassen, von konzentriert bis versunken.

Kümmert ihr euch während der Proben ( neben eurer Interaktion ) auch um die Stücke?

Dale Kavanagh: ....Ähmm,...ja natürlich......Bevor wir ein Stück richtig anfangen zu üben, klopfen oder klatschen wir erstmal den Rhythmus des ganzen Stückes einmal durch. Dabei fallen uns oft die kniffligen Stellen auf und sehen, auf welche Stellen wir besonders achten müssen, und wir können darüber auch schon die nicht melodiösen Strukturen erkennen.

Thomas Kirchhoff: Manchmal üben wir auch die Stimme des anderen, um einen Einblick in die Fingersatzstruktur der zweiten Stimme zu bekommen, so daß wir eventuell den eigenen Fingersatz ändern können, um den Klangcharakter des Stückes zu verbessern bzw. abzurunden. insgesamt sind wir sicher kein analytisches Duo, wir spielen mehr aus dem musikalischen Fluß heraus und nach überwiegend klanglichen Kriterien. Nach unserer Erfahrung sind die Stücke dann richtig gespielt, wenn sie auch gut klingen

Habt ihr mal überlegt, oder schon geplant, nicht nur mit Orchestern, sondern auch mit anderen Kammermusikensemblen, oder anderen Kammermusikern zusammen zu arbeiten?

Thomas Kirchhoff: Geplant ist da im Moment noch nichts, wir spielen ja häufig mit Sinfonie- und Kammerorchestern zusammen, wie dem Kurpfälzischen Kammerorchester aus Mannheim oder Mainz und dem Philharmonischen Staatsorchester Halle, aber darüber hinaus spielen wir z.Z. nicht mit anderen Musikern. Eine Ausnahme wird allerdings die Zusammenarbeit mit dem britischen Eden-Stell-Duo im Jahr 2000 anläßlich der Expo2000 sein, da werden wir ca.15 mal in Deutschland die Konzerte für 1, 2 und 4 Gitarren von Joaquin Rodrigo aufführen. Dale spielt das Aranjuez, wir zusammen das Concerto Madrigal und mit dem Eden-Stell-Duo ( übrigens ein super Duo, mit denen wir viel Spaß haben und die immer in Isarlohn sind und unterrichten ) spielen wir das Concierto Andaluz. Diese Idee mit der spanischen Nacht hat so eingeschlagen, daß wir , wie es aussieht im Jahr 2000 damit 40 mal auf der Bühne stehen. Und die beiden größten Konzertagenturen in Deutschland wollen dieses Projekt mit in ihr Programm aufnehmen.

Glaubt ihr, daß das Jahr 2000 einen entschiedenen Einschnitt in den Kulturbetrieb bedeutet?

Thomas Kirchhoff: Nur in sofern, als daß die Städte in 2001 wahrscheinlich kein Geld mehr haben werden, weil sie in dem besonderen Jahr 2000 alles ausgegeben haben. Wir denken, daß es sonst mit den üblichen Schwankungen weiter geht - und die sind zum Glück nicht in allen Ländern gleich.

Was habt ihr für die nächste Zeit geplant?

Thomas Kirchhoff: Als nächstes steht die Uraufführung des neuen Konzerts für zwei Gitarren und Streichorchester von Jaime Zenamon "Carisma" im November in Gevelsberg und in Österreich an. Es ist bereits das dritte Konzert das er für uns geschrieben hat. Es ist nach "Casablanca" und "Monogamia" sicher das schwerste und virtuoseste seiner Stücke. Es erinnert in der Klangsprache an Villa-Lobos und an die Impressionisten wie Debussy oder Ravel, aber Jaime hat uns erzählt, daß er bei diesem Stück vor allem von der Musik Carullis inspiriert wurde als er es schrieb. Es ist jedenfalls ein Stück mit schönen Melodien und rasenden Läufen. Dann schreibt uns Roland Dyens grade ein Stück, aber da es noch nicht fertig ist, wissen wir auch nicht mehr, als das es ein Stück über die Nationalhymnen von Frankreich Deutschland und Kanada sein wird. Im Frühjahr 1999 soll dann auch Dales neue Solo CD erscheinen und wir bereiten unsere neue Duo-CD vor. Ja, und dann , im Jahr 2000 die eben schon erwähnte Expo 2000 Tour mit dem Eden-Stell-Duo, von der es eventuell auch eine Liveproduktion zusammen mit dem Norddeutschen Rundfunk gibt, aber die CD gibt es dann natürlich erst 2001. Das ist übrigens das Jahr, in dem Joaquin Rodrigo 100 Jahre alt wird, und da werden wir auch für ihn dieses Konzertprogramm spielen. Außerdem werden wir demnächst unsere Plattenfirma wechseln, alle CDs, auch die Alten, sind dann bei "hänssler" zu bekommen und wir erhoffen uns natürlich einige gute Projekte aus dieser Verbindung.

Was wird auf den neuen CDs ,auf Dales Solo CD und auf eurer neuen Duo CD zu hören sein?

Dale Kavanagh: Bei der Duo CD sind wir uns noch nicht ganz sicher, aber auf meiner Solo CD spiele ich Stücke von Domeniconi , Zenamon und erstmals auch eigene Werke.

Thomas Kirchhoff: Wir haben die CD in dem Studio ihres Bruders aufgenommen, der in Kanada ein sehr erfolgreicher Produzent ist. Wir arbeiten mit ihm auch über die klassische Szene hinaus zusammen, so hat Dale z.B. kürzlich "Stille Nacht" mit einem sehr berühmten Musicalsänger aufgenommen.

Bei den vielen Projekten und den vielen Konzerte, kommt ihr da noch zum Unterrichten?

Thomas Kirchhoff: Zu Hause unterrichten wir überhaupt nicht. Wir werden ungefähr fünf bis sechs mal im Jahr zu Festivals eingeladen, wo wir dann auch unterrichten. Aber wegen der vielen Konzerte können wir auch gar keinen regelmäßigen Unterricht geben.

Wie bekommt ihr alles unter einen Hut, Konzerte, Reisen, Tochter......?

Dale Kavanagh: Wir müssen jeden Tag gut organisieren und sind sehr froh, daß wir ein Au-Pair Mädchen haben. Unsere Tochter Melissa ist immer mit uns auf Reisen, und wir verbringen wahrscheinlich mehr Zeit mit ihr, als viele andere Eltern, die einen "normalen Job" haben, und so ist die Organisation gar nicht so schwierig, wie es im ersten Moment den Anschein hat. So wie es z.Z. ist, ist es das perfekte Leben für uns.

Diskographie:

Dale Kavanagh - Solo - ( Berkeley, Cooperman, Rodrigo, Villa-Lobos, .... )

Dale Kavanagh - Solo - ( Britten, Ponce )

Thomas Kirchhoff und Doris Dietz - Werke für Flöte und Gitarre

Amadeus Guitar Duo - Konzerte für zwei Gitarre und Orchester ( Rodrigo, Domeniconi)

Amadeus Guitar Duo - Konzert für Zwei Gitarren und Orchester ( Genzmer)

Amadeus Guitar Duo - Bach / Busoni, Dodgson, Domeniconi, Zenamon

Alle CDs sind bei Fono erschienen, erscheinen aber demnächst bei hänssler


Eine Sologitarristin, zwei Duos und ein Quartett, und das alles an einem Abend und dann auch noch mit Orchester. Mehr geht eigentlich gar nicht. Die Rede ist von Dale Kavanagh, für mich die First Lady der Gitarre, ihrem Duopartner und Ehemann Thomas Kirchhoff (Amadeus - Duo) und dem englischen Eden - Stell - Duo. Eine hochkarätige Besetzung, mit der wunderbaren Idee, einmal die drei schönsten Gitarrenkonzerte des unlängst verstorbenen Joaquin Rodrigo an einem Abend zu Gehör zu bringen. Sie touren zur Zeit durch Deutschland und Europa und begeistern mit ihrem Gitarrenspiel. Das Publikum dankt es ihnen, und das ist keine Übertreibung, mit Jubelstürmen. Wann hat es das in der letzten Zeit gegeben, dass die klassische Gitarre derart gefeiert wird. Schön ist auch zu hören, wie zwei so unterschiedliche Duos sich so hervorragend ergänzen und der Spielspass das Publikum sofort und direkt erreicht. Nach dem Konzert in, Hannover hatte ich das große Vergnügen mich mit allen Vieren zu unterhalten.


Ihr spielt unter dem Titel "Spanische Nacht" drei Konzerte von Rodrigo, und ein Konzert von Gerald Garcia. Wie kam es zu der Idee ein solches Projekt zu starten?

Thomas: 1998 hatte ich zusammen mit dem Dirigenten des Projekts, Horst Hans Bäcker die Idee das "Concierto Andaluz" für 4 Gitarren zu machen. Er war damals Musikschulleiter in Langenhagen und Dale und ich hatten schon zum 2.Mal ein normales Duokonzert dort gegeben. Dann sponnen wir die Idee weiter auf die drei Rodrigo-Konzerte Madrigal, Aranjuez und Andaluz. Um dann wirklich etwas besonders zu machen, also einen ganzen Abend mit Gitarre und Orchester haben wir dann noch das für uns geschriebene Konzert "Concertomaggio" von Roland Dyens und abwechselnd das Garcia Konzert nach Lorca-Themen hinzugefügt. Mittlerweile haben wir die Idee auch auf anderen Orchester übertragen und so spielen wir die Spanische Nacht über 60 mal mit verschiedenen Orchestern, wie der Internationale Philharmonie, Prager Kammerorchester, Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl, Staatl. Philharmonie Moldavien und noch anderen.


Wie seit Ihr und das Eden-Stell-Duo zusammengekommen, und wie organisiert Ihr die Proben, Mark und Chris leben ja so weit ich weiß in London?

Mark: Wir haben die beiden 1996 auf einem Konzert in Exeter/England getroffen und gefragt, ob wir ihnen vorspielen dürften. Da es schon 11 Uhr abends war, waren sie nicht gerade begeistert....

Thomas: Sie haben aber so fantastisch gespielt, dass ich sie noch im gleichen Jahr nach Iserlohn zum Festival eingeladen habe. Daraus entstand dann eine echte Freundschaft und eine sehr fruchtbare musikalische Zusammenarbeit,

bei aller Unterschiedlichkeit in der instrumentalen Behandlung

Chris: No, no das war ganz anders: wir haben diesen armen Mann (zeigt auf Thomas und lacht) auf der Straße betteln gesehen.... armer Kerl.....

Thomas: Ja ja, so ist das, ich hab es nicht leicht mit denen......


War es einfach ein Orchester dafür zu gewinnen?

Dale: Thomas ist, wie ja viele wissen, ziemlich begabt in so etwas und kann eben viele Menschen für seine Ideen begeistern. Mittlerweile gibt es nicht wenige Orchester die sich uns anbieten, dieses oder ein anderes Projekt, wie die 2003 beginnende Barocknacht, mit uns zu machen, und das auch im Ausland.


Wer macht euch die Bearbeitungen?

Thomas: Bei Dale und mir macht es oft Ulrich Stracke, mein erster Gitarrenlehrer und Mitbegründer des Iserlohner Festivals. Seine Bearbeitungen sind absolut spitze. Bei ed. margaux ist z.B. seine Bearbeitung der Bachschen Chaconne in der Version von Busoni für 2 Gitarren erschienen. Uli hat auch unsere Bearbeitung des 3. Brandenburgischen Konzertes für 4 Gitarren gemacht, die dann auf unserer CD Guitar Gala night zuhören ist. Gerald Garcia ist jährlich bei unserem Festival dabei, und hat auch einige sehr schöne Bearbeitungen für uns gemacht. Mark und Chris machen ihre Duo- Bearbeitungen selbst.


Wäre es nicht sinnvoll ein paar Komponisten anzusprechen, damit sie etwas für vier Gitarre und Orchester schreiben?

Dale: Na, diese Frage könnten wir ja schon fast Übel nehmen. Thomas und ich haben Konzerte für 2 Gitarren und Orchester von Christian Jost, Roland Dyens, Jaime Zenamon, Carlo Domeniconi (die letzten drei sind auf unserer neuesten CD "Hommage" enthalten) beauftragt oder initiiert. Thomas hat ein großes Konzert von Harald Genzmer und von Gerald Garcia geschrieben bekommen und wir haben weitere Konzerte von Martin Herchenröder (einem ehem. Schüler von Hans Werner Henze), Gerald Garcia, Toby Twining (USA) und anderen in Aussicht.

Thomas: Das war ja unsere Idee und das Ziel uns in dieser Hinsicht zu entwickeln, ich glaube kein Duo spielt so oft mit Orchester wie wir. Wenn ich mal überschlage; wir haben mit über 50 verschiedenen Orchestern insgesamt weit über 150 mal gespielt. Insgesamt 7 Konzerte uraufgeführt und 12, wenn man Aranjuez, Villa-Lobos-Konzert für Gitarre solo und Andaluz für 4 Gitarren und Orchester mitrechnet, im ständigen Programm.

Mark: Für uns wurde gerade das Konzert f. 2 Gitarren und Orchester von Stephen Dodgson geschrieben, das im September im traditionsreichen Purcell Room in London uraufgeführt wird, worauf wir natürlich sehr stolz sind.


Auf der letzten Solo-CD von Dale sind wunderschöne eigene Kompositionen zu hören, hast du auch Duos oder gar größeres geplant?

Dale: Auch auf unserer gemeinsamen CD ("Gala-Night") werden drei neue Stücke von mir sein (Toronto '98) - Duos habe ich bis jetzt nicht geschrieben, aber ich habe einen Auftrag für ein Gitarrenensemblestück für das Festival in Cuba 2002. Allerdings ist alles sehr zeitaufwendig und ich weiß im Moment nicht, ob ich alles schaffe.

Thomas: Dale selbst ist ein wenig bescheiden mit ihren Stücken - sie nennt sie nicht einmal "Kompositionen", aber viele Leute darunter eine ganze Menge prominenter Gitrrenkomponisten finden ihre Stücke ausgezeichnet. Sie hat einen sehr natürlichen Stil und die Stücke sind gitarristisch höchst anspruchsvoll und effektvoll. Einige sind bei Hubertus Nogatz in Essen verlegt.


Wie reagieren denn die Dirigenten auf so ein ungewöhnliches Programm, bei dem auch sie sich auf ein neues Instrument und eine fast nie gespielte Musik einlassen müssen?

Mark: Also, das ist ein Vorurteil, fast jeder Dirigent hat schon mal das Aranjuezkonzert dirigiert. Und Thomas und Dale haben natürlich schon mit sehr vielen Dirigenten auch andere Konzerte, wie die von Domeniconi, Zenamon, Dyens, Harald Genzmer, Christian Jost gespielt. Der Abend ist jetzt mal ehrlich ohne Übertreibung so erfolgreich, dass wir selten ohne Standing Ovations schließen.



Es muss doch für euch ein unglaublicher Organisationsaufwand sein, Ihr habt eine Tochter, Ihr müßt üben, Ihr müßt mit dem Eden-Stell-Duo üben und mit den Orchestern müßt Ihr ja auch noch Proben abhalten, wie geht das?

Thomas: Andere Menschen arbeiten auch in der Regel 7-8 Stunden täglich, Selbständige noch mehr - ich sehe da vom reinen Arbeitspensum wirklich keinen Unterschied. Natürlich verlangt die Kombination von organisatorischer und künstlerischer Arbeit vielleicht ein besonderes Maß an Talent. Wir haben unsere Tochter oft bei den Reisen dabei (wir haben immer sehr viel Glück mit unseren Au-Pair Mädchen) und Melissa genießt unser abwechslungsreiches Leben glaube ich sehr.

Dale: Wenn meine Solo-Konzerte mit den Duo-Konzerten und Orchester-Konzerten zu nah zusammen liegen, wobei wir versuchen diese zu trennen, dann kann es schon manchmal anstrengend werden, ich unterrichte ja auch noch an der Hochschule in Dortmund, aber viel Arbeit ist allemal besser als keine, oder?


Ihr seit zwei Duos die beide schon lange zusammenspielen und sehr gut aufeinander abgestimmt sind, gibt es da nicht Probleme, wenn man dann zu viert ist?

Mark: Wir sind ja ziemlich unterschiedliche Spieler, aber wir versuchen unsere individuellen Stärken zu fördern und die besten Seiten im Zusammenspiel zu zeigen.


Konntet Ihr euch schnell auf einen Sound einigen?

Chris: Wir glauben eigentlich nicht, dass ein einheitlicher Sound anzustreben ist, sondern wir versuchen unsere unterschiedlichen Sounds zu kombinieren. Wir sind auch kein "richtiges" Quartett, sondern spielen ja überwiegend die "Spanische Nacht" mit vier Konzerten für eine Gitarre das Aranjuez, für 2 Gitarren das Madrigal und Lorca-Konzert von Gerald Garcia und auch ein Konzert für 4 Gitarren und Orchester von Rodrigo das Andaluz. An den Abenden zwischen den Orchesterkonzerten bieten wir einigen Veranstaltern diese "Gala-Night" mit Solostücken von Dale, Duos und einige wenige Quartetten an.

Thomas: Mittlerweile haben wir allerdings so viele Konzerte zusammen, dass vielleicht noch ein richtiges (Augenzwinkern!) Quartett daraus wird, aber es ist schon so, dass wir unsere Identität als Duos bzw. Dale als Solistin behalten wollen.


Das Eden-Stell-Duo ist in Deutschland bislang nur Insidern bekannt, vielleicht könnt Ihr etwas über euch erzählen.

Mark: Wir haben beide an der "Londoner Royal Academy of Music" bei Michael Lewin studiert und haben sofort begonnen Duo zu spielen, dann haben wir fast drei Jahre in der Klasse von Sergio Assad privat in Belgien studiert, was uns wohl am nachhaltigsten geprägt hat und wofür wir sehr dankbar sind. Jetzt spielen wir schon 11 Jahre zusammen, haben mittlerweile 3 CDs gemacht und zwei neue Produktionen sind in Arbeit. Ich glaube, ich kann sagen, dass wir in England schon etabliert sind und durch die vielen Konzerte mit Thomas und Dale geht es ziemlich gut voran.


Mark und Chris sind eure CDs in Deutschland zu bekommen und was ist auf ihnen zu hören?

Chris: Leider ist der Vertrieb für unsere CDs nicht gut und so sind unsere CDs nur bei den Konzerten hier zu erhalten.

Thomas: Ich arbeite dran einen gutes Label für die beiden zu finden und wir sind kurz vor einem Abschluß.


Gibt es bei euch Vieren einen Chef, oder klärt ihr die Fragen "Basisdemokratisch"?

Chris: Are you kidding? (Machst du Spaß ?) - We are all under the total controll of the "Boss" - Wir stehen alle unter Schock, Angst, Schmerz und was nicht alles. Thomas kann so grausam sein! (alle lachen) Nein, im Ernst. Natürlich entscheidet Thomas die meisten organisatorischen Dinge - er hat eben das wahnsinnige Talent dafür, er hat die meisten Ideen und wir drei folgen gern!

Dale: Musikalisch entscheiden wir schon zusammen, also was das Repertoire angeht, wer welche Stimme spielt, wer welche Bearbeitung macht etc. Aber all das läuft bei uns wirklich sehr unkompliziert.


Ihr unterrichtet alle auch beim Gitarrensymposion in Iserlohn, und wie ich hörte war der Andrang letztes mal schon unglaublich, und dieses Jahr ist er noch mal größer, wird man da als Lehrer nicht völlig ausgesaugt in 1 1/2 Wochen, auch wenn das Ambiente sicher alles bietet was von Nöten ist?

Thomas: Im Jahr 2000 hatten wir 135 Studenten und 22 Lehrer, dieses Jahr haben wir 155 Studenten, 30 Lehrer und 35 Aussteller aus insgesamt 39 Ländern und eine Warteliste mit über 70 Studenten. Das ist natürlich schon eine tolle Sache. Worauf ich wirklich ein bisschen stolz bin, ist die Tatsache, dass wir diese hohe Zahl an internationalen Studenten ohne Wettbewerb erreichen. So kommen fast 70 % aus den Ausland, aus USA, Kanada, Mexiko, Argentinien, Japan, Korea, Ägypten, Russland, Israel und eben aus ganz Europa, denn viele andere Festivals mit hohem Auslandsanteil haben alle Wettbewerbe, mit denen sie die Studenten locken.


Wie regelt Ihr das mit den Schülern, können die ihre Lehrer frei wählen, es schafft ja wohl auch keiner bei 20 Lehrern Unterricht zu nehmen, wie regelt Ihr das, ihr kennt ja auch nicht immer die Spielstärke der einzelnen Kursteilnehmer?

Dale: Jeder Student erhält mindestens vier Einzelstunden, wofür er die Lehrer wählen kann und wir schaffen es zu 90% mindestens zwei Wünsche, oft drei und vier zu erfüllen. Dazu kommen Technikklassen, Ensemble, Video-Analyse und vieles mehr. Ich glaube, auch das ist ein Grund, neben dem super Essen, der guten Unterbringung und den tollen Konzerten, dass der Kurs weltweit so beliebt ist.

Thomas: Ein wesentlicher Punkt ist aber eben auch die Atmosphäre, die z.B. so originelle Typen wir Mark und Chris, aber vor allem auch Gerald Garcia und Stephen Gordon (beide seit 1992 jährlich dabei) beisteuern. Das kann man kaum beschreiben, was für eine Stimmung die da bei uns abziehen.


Bei über 150 Kursteilnehmern, wählt ihr da schon einen Bürgermeister,

das ist ja schon ein kleines Dorf?

Chris: It's terrible, Thomas schickt uns immer so früh ins Bett. Wir dürfen abends nur ein Bier trinken.....

Thomas: Wer's glaubt......

Mark: Morgens werden wir brutal um 5.00 Uhr zum Frühsport geweckt....Nein, im Ernst, Thomas hat auch hier die wichtigste organisatorische Arbeit und ja auch riesige Verantwortung und wir lieben ihn als unseren "how do you say? Bürgermeister!"



Als ich vor zwei Jahren das letzte mal da war, ist mir aufgefallen, daß es keine schlecht besuchten Konzerte gab, selbst wenn man die Kursteilnehmer abzieht, wie schafft ihr das?

Dale: Well, again, alles ziemlich gut organisiert (lächelt und blickt zu Thomas).

Thomas: Es ist schon eine ziemliche Arbeit in der letzten Woche der großen Ferien in einer Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern fast jeden Abend ein volles Haus zu bekommen, aber mittlerweile ist das Festival in Iserlohn und Umgebung sehr etabliert und wir haben auch sehr viele Konzertbesucher aus dem Ruhrgebiet also Bochum, Dortmund, Essen etc. und sogar aus Köln, Düsseldorf und bis nach Frankfurt. Ich mache sehr viel überregionale Werbung im Radio und in Zeitungen. Letztes Jahr hatten wir über 3500 Besucher in den Konzerten, wenn wir das dieses Jahr wieder schaffen, bin ich zufrieden.

Dale: Leute wie die Assads, David Russell, Manuel Barrueco, Roland Dyens, Eliot Fisk, Paul O'Dette und so weiter ziehen natürlich schon sehr gut, aber bei uns sind auch Konzerte von nicht so bekannten Gitarristen sehr gut besucht.


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Colin Hay

Es gibt nicht viele Kulturinitiativen bzw. Kulturvereine, die sich mit ihrem Programm so viel Mühe geben wie das "buchcafé" in Bad Hersfeld. Heute steht Colin Hay auf dem Programm. Der Sänger und Gitarrist mit der unverwechselbaren Stimme, die jeder von Men At Work kennt, ist allein unterwegs. Mit zwei Gitarren, einer 12-saitigen und einer 6-saitigen und einem Marshall-Combo ist er drei Wochen in Deutschland unterwegs und beginnt seine Tour in Bad Hersfeld. Das Konzert ist schon seit Tagen ausverkauft und die Telefone klingeln ununterbrochen, aber es gibt keine Karten mehr und es kann leider auch kein Anschlußkonzert geben, das Konzert für den nächsten Tag ist, wie man hört, auch schon ausverkauft.

Jeder kennt die Hits von Men At Work, wie "Down Under" und "It's A Mistake", um nur die bekanntesten zu nennen. Aber was macht Colin Hay, der gebürtige Schotte, der mit 14 Jahren nach Australien kam und dort die inoffizielle australische Nationalhymne schrieb, ohne Band? Angekündigt ist er als Singer - Songwriter. Auf der Bühne stehen zwei Brettgitarren mit Piezzo-Pick-ups und der oben erwähnte Marshall-Combo und ich habe keine Ahnung mehr, was mich erwartet. Recht pünktlich, kurz nach acht, kommt Colin Hay auf die Bühne. Ohne viel Gerede legt er los und hat sein Publikum schon in der Hand. Mit einem einfachen Song, ohne große Schnörkel und ohne spektakuläre Gitarrenparts, aber mit viel Groove und dem rechten Kick der rechten Hand nimmt er sein Publikum gefangen und spielt mit ihm. Er ist ein brillanter Entertainer, übertreibt es nie, und es kommt so viel Sympathie von der Bühne, daß man sich einfach wohl fühlen muß. Schnell vertreibt er sowohl die Hoffnung als auch die Angst es gäbe heute ein "Men At Work Unplugged". Was hier passiert ist etwas ganz anderes, auch wenn "Down Under" nicht fehlt in seinem Programm, ist es doch etwas Neues und Eigenständiges, es ist Colin Hay und sonst nichts. Die Geschichten, die er erzählt, sind zum großen Teil fiktiv, alles könnte Thema sein und das Publikum merkt sehr schnell, daß es hier nicht zum Therapeuten verkommt. Das Publikum bekommt Geschichten erzählt die es auch etwas angeht, ohne übertrieben intellektuell zu sein oder platt. Sein Gitarrenspiel ist nicht sehr virtuos, keine Akrobatik, keine "highspeed-races" das Griffbrett rauf und runter und keine Verrenkungen. Der Gitarrenpart wird auf das nötigste reduziert und mit soviel Gefühl gespielt, daß einfach nichts fehlt. Dabei swingt die Gitarrenbegleitung mit präzise artikuliertem Rhythmus, daß es eine wahre Freude ist. Er scheut sich auch nicht, die Gitarre mit allen möglichen Sounds zu belegen und zu rocken. Jeder Sound paßt zu dem jeweiligen Stück, wirkt nie aufgesetzt und hat nichts mit Effekthascherei zu tun. Aber er ist nicht nur Gitarrist, er ist auch ein sehr guter Sänger. Seine Stimme ist nicht unbedingt schön, aber sie ist ausdrucksstark und er setzt sie perfekt ein. Bei der a-cappella-Nummer zeigt er was er kann. Richtig singen, Töne treffen ist das eine, aber so zu singen und dabei zu swingen, daß es einen eigentlich nicht mehr auf dem Stuhl hält ist etwas anderes, und das vermag er. Colin Hay spielte eineinhalb Stunden ohne Pause und man hat nicht gemerkt wie die Zeit vergeht, und selbst die Raucher, die er bat in dem bis zum Anschlag gefüllten Raum nicht zu rauchen, waren wohl überrascht, wie lange es auch ohne Zigarette geht. Die Stimmung am Ende des Konzerts war unglaublich, und so war es kein Wunder, daß Colin Hay nicht mit eins -zwei Zugabennummern davon kam. Das Publikum tobte und macht mit allem Krach was da war, klatschte die Zugaben herbei und wurde reichlich belohnt. Es war ein schöner Abend mit einem außergewöhnlichen Musiker, der nachhaltig wirkt und so sehenswert ist, daß ihn niemand verpassen sollte.


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Detlev Bunk

Wenn jemand von Dresden spricht, dann denken die Meisten an die Semperoper, den Zwinger und natürlich an den Christstollen. Aber Dresden hat auch musikalisch mehr zu bieten als nur das Gewandhausorchester. Es gibt dort eine Musikszene die mehr Beachtung verdient als sie bekommt. Ein Beispiel dafür ist der Gitarrist Detlef Bunk. Vielen wird der Name nichts sagen, was aber sehr verwundert, denn er steht mit Größen der Szene, wie Alex de Grassi ( GA 2/98 ), auf der Bühne. Vielleicht ändert sich die Wahrnehmung der Veranstalter, wenn er im Herbst 2000 seine Tour mit Ian Melrose und Claus Boesser Ferrari hinter sich hat. Seine Auftritte haben neben dem hohen unterhaltenden Charakter viel musikalische Finesse, und man sieht einen Musiker, der einfach Spaß hat an dem, was er macht; und er kann Geschichten erzählen, in Wort und Musik. Stilistisch ist er nicht einfach einzuordnen, findet aber Platz unter dem großen Zelt des Fingerstyles. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Carl-Maria-von-Webern-Hochschule für Musik und am Dresdener Konservatorium organisiert er seit mehr als einem Jahrzehnt eine Gitarrenreihe und ein Festival in Dresden zusammen mit dem Club Passage, in denen Gitarristen aller Prägungen auf die Bühne geholt werden. Er ist bemüht zwischen den einzelnen Stilistiken Brücken zu schlagen und die Schubladen zu einem entropischen Ganzen verschmelzen zu lassen. Als er in diesem Sommer in Bad Hersfeld im "Buchcafé" mit seinem Tango Duo "Tango Infamia" zu hören war, hatte ich nach dem Konzert noch die Möglichkeit, mich mit ihm zu unterhalten, und ihn zuerst nach seinem musikalischen Werdegang zu fragen.

Detlef Bunk: Ich habe meinen ersten Gitarrenunterricht an der Musikschule erhalten, allerdings ging es da mehr um die klassische Gitarre. Als ich mit der Schule fertig war, habe ich dann erst einmal angefangen Medizin zu studieren - Nachdem ich mich aber entschieden hatte nicht weiter Medizin zu studieren, zudem wurde ich, da ich Streß mit meinem Biochemie Prof hatte, exmatrikuliert, bin ich dann nach Dresden gegangen und habe dort angefangen Gitarre zu studieren, und zwar E-Gitarre. Was mich aber am meisten interessierte, nämlich Akustik- Gitarre oder Steelstring, konnte man damals in der DDR nicht studieren, denn man brauchte irgend einen Abschluß, um als Musiker arbeiten zu dürfen. Und da gab es eben nur die Möglichkeit, als Konzertgitarrist, oder als E-Gitarrist zu arbeiten. Ich habe dann an der Hochschule Plektrumgitarre studiert und mich parallel mit der Konzertgitarre beschäftigt, was mir zwar auch Spaß gemacht hat, aber ich wollte halt Akustikgitarre spielen.

Hast du dir deine Technik für die Akustikgitarre selber erarbeitet, oder bist du zu Workshops und Kursen gefahren?

Detlef Bunk: Was die Akustikgitarre betrifft, hat mich ein Album, das damals noch zu DDR-Zeiten ins Land geschmuggelt wurde, sehr begeistert. Es war ein blaues Doppelalbum, ich glaube es hieß Akustik-Festival und war von Intercord mit den ganzen Leuten wie Werner Lämmerhirt, Klaus Weiland u.s.w., Dieses Album hat mich sehr inspiriert, solche Musik zu machen und Akustikgitarre zu spielen. Natürlich habe ich auch Kurse besucht, z.B. in Markt Oberndorf hatte ich ein paar Stunden bei Joe Pass, was sehr interessant war, da der Jazz immer ein Steckenpferd von mir war und auch Einflußt auf meine Musik hat.

Unterrichtest du noch viel?

Detlef Bunk: Ich unterrichte in Dresden am Konservatorium und habe einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik, wobei das Hauptaugenmerk auf der Akustikgitarre und dem Schulmusikbereich liegt.

Du hast vor nicht all zu langer Zeit ein CD veröffentlicht , "Nice Feeling",( AK 3/97 ) auf der auch einige Gäste zu hören sind, bist du eher der Solist oder fühlst du dich wohler, wenn du mit anderen zusammenspielst?

Detlef Bunk: Nun ist es so, daß ich die längste Zeit meiner musikalischen Laufbahn bei Heureka gespielt habe, ein Unternehmen, das noch aus alten DDR-Zeiten stammt. Wir sind mit dem Anspruch angetreten, unter dem Komponisten Erik Kross moderne Musik auf alten und typisch folkloristischen Instrumenten zu spielen. Das schließt aber auch keine Synthesizer oder elektronische Instrumente aus. Im Wesentlichen werden aber akustische Instrumente benutzt, um moderne Musik zu machen. Das war damals in der Folklore -Szene recht einmalig im DDR-Bereich. Und aus heutiger Sicht kann ich sagen, daß es auch in Europa eine recht einmalige Sache war. Zur Zeit bin ich bei Heureka nur Gastspieler, gehöre also nicht mehr zum festen Stamm, denn irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir sagte, o.k., ich mache jetzt eine Solo-CD mit meinen eigenen Stücken und kümmere mich mal mehr um mein Soloprogramm. Ich habe mir natürlich gewünscht, daß der ein oder andere Titel musikalisch ausgeweitet wird, und die Kollegen standen mir sofort zur Seite. Und so sind einige Titel auf der CD, die Erik instrumentiert und arrangiert hat. Sie erscheinen dadurch in einem Gewand, das ein wenig nach Heureka klingt, aber es sind meine Kompositionen, und das ist auch nicht zu überhören.

Sind die Titel auf der CD so programmatisch wie sie klingen,z.B. "Fritzi Ist Weg" oder "Tango Für Anna", wie sieht dein Kompositionskonzept aus?

Detlef Bunk: Ich habe irgendwann für mich entschieden, Musik soll den Leuten beim Zuhören Spaß machen. Und die Musik verdichtet sich ein wenig dadurch, daß man eine Geschichte dazu erzählt. Ich möchte einfach, daß sich die Leute, wenn sie in mein Konzert kommen, wohlfühlen, Spaß haben und nicht am Schluß warten und sich fragen, darf ich jetzt klatschen oder husten........ . Wenn dann nur eine Gitarre erklingt und man nichts dazu sagt und nicht die kleinen Geschichten um die Stücke herum erzählt, dann kann die Sache schon einmal sehr statisch werden. Es gibt Geschichten, wie die vom "Wilmersdorfer Walzer", wo ich tatsächlich, kurz nach der Wende, fast über eine Frau gestolpert wäre, die mit ihrem Körbchen an der Hausecke saß und Geld haben wollte. Das hat mich so sehr beschäftigt, daß daraus ein Stück geworden ist. Dagegen gab es bei "Fritzi Ist Weg" erst die Komposition, und dann paßte es auf die Geschichte mit der Katze. Es ist auch nicht alles erlebt, manche Geschichten sind auch einfach erfunden.Geschichten sind Anhaltspunkte, sind eine Inspiration, um Musik zu schreiben. Auch Erlebnisse, wie ich sie jetzt auf meiner Kalifornienreise hatte, inspirieren mich zu neuen Stücken, einfach aus der Atmosphäre heraus, aus den Eindrücken anderer Städte, anderer Natur, alles sind natürlich Anregungen für neue Stücke. Neue Impulse habe ich auch dadurch erhalten, daß ich früher viele Rezensionen geschrieben habe und dadurch eine Menge Material kennenlernte. So sind mir damals die ersten Platten des Windham Hill Labels unter die Finger gekommen. Da waren einige, für mich sehr prägende Musiker dabei, wie Michael Hedges oder Alex de Grassi. Und so war es für mich natürlich sehr interessant, als ich 1997 Alex de Grassi auf dem Steelstringfestival in Witzenhausen persönlich kennenlernte. Es entstand eine Freundschaft und so haben wir, als ich jetzt in Kalifornien war auch ein paar Konzerte zusammen gespielt. Ich war auch sehr überrascht, wie die Leute dort meine Musik aufnahmen, sie waren viel euphorischer als hier in Europa, und ich mußte ja, bei meinem schlechten Englisch, ausschließlich mit meiner Musik überzeugen.

Du stehst mit Weltklassespielern wie Alex de Grassi oder Ian Melrose auf der Bühne, aber in Deutschland, oder besser im westlichen Tei,l kennt man dich kaum, wie kommt's?

Detlef Bunk: Ich glaube, die Annäherung von West und Ost braucht Zeit. Oft fehlt es bei den Veranstaltern einfach an der Bereitschaft, mal jemanden einzuladen, der nicht so bekannt ist. Ich habe das Gefühl, daß die Veranstalter im Osten etwas offener sind als die im Westen, aber deswegen noch lange nicht unkritischer.

Gibt es da soetwas wie einen Ost -West Konflikt?

Detlef Bunk: Konflikt nicht, aber eine Abschottung in eine Richtung. Ich vermisse ein wenig die Offenheit für Neues, die Neugier. Und ich habe manchmal das Gefühl, daß es wichtig ist, daß hinter dem Namen USA, England, Japan oder sonstwas steht, warum auch immer.

Du hast seit über 12 Jahren in Dresden deine eigene Gitarrenkonzertreihe "Bunkis Gitarrenladen" laufen und kümmerst dich darin um alles, was mit Gitarre zu tun hat. Die Reihe hat auch die "Treuhand" überstanden und ist eine feste Einrichtung in und um Dresden, das macht neugierig.

Detlef Bunk: Die Reihe ergab sich einfach so, ich habe vor vielen Jahren dort gespielt, und habe nachgefragt, ob sie nicht auch Lust hätten, andere Kollegen einzuladen. Die fanden die Idee gut, und meinten, wenn ich die Reihe organisiere, sind sie dabei. So hatte ich natürlich auch die Möglichkeit, viele Gitarristen zu sehen und zu hören. Damals war der Club noch in der Erkundungsphase, jetzt läuft die Reihe schon über zwölf Jahre. Bunkis Gitarrenladen heißt sie deshalb,weil wir versuchen, Gitarristen aus allen Stilrichtungen zu präsentieren. Auch vor dem Hintergrund, Vorurteile abzubauen, die zwischen den Stilen stehen, und daß auf beiden Seiten, der Spieler- und der Zuhörersite. Wir wollen zeigen, daß es in allen Stilrichtungen gute Instrumentalisten gibt und dem Zuhörer die Möglichkeit geben, mal über den Zaun zu schauen. Mittlerweile gibt es neben den Einzelveranstaltungen auch Festivals. Nach der Wende brach ja erstmal alles zusammen, und auch der feste Zuhörerkreis, den wir uns erarbeitet hatten, verschwand und wir mußten neu anfangen. Der Club wurde umgebaut und wir spielten eine Zeit lang in einem kleinen Gewölbekeller, in dem wir ausschließlich akustische Musik präsentierten. Als der Club fertig war, hatten wir die Idee, gleich ein Festival zu machen, internationale Leute einzuladen und mal geballt Gitarre über zwei bis drei Tage anzubieten. Dieses Festival hat sich mittlerweile zu einer festen Größe in Dresdens Kulturleben entwickelt. Wahrscheinlich ist es das kleinste Festival hier in Deutschland, aber die Musiker kommen aus nahezu allen Kontinenten und vielen Ländern, wie Japan, USA, Argentinien........ .

Die Mischung hast du aber beibehalten?

Detlef Bunk: Ja, wir haben einiges ausprobiert, und wir haben nun einen Tag mit Dresdener Gitarristen, also mit dem Nachwuchs, und seit einiger Zeit gibt es am zweiten Abend immer die "Akustik Guitar Records Tour", wobei wir wohl der einzige Veranstalter im Osten sind, der diese Tour einläd. Der dritte Abend ist dann offen , da gibt es dann mal Jazz mit Frenec Snetberger, oder auch Kontraste wie das Konzert mit Andrezj Mokry und Andreas Häuser, die an einem Abend spielten, oder es gibt Flamenco...... . was mich natürlich sehr freut, ist, daß die Zuhörer nicht nur aus Dresden kommen, sondern aus allen Ecken des Landes.

Gibt es noch eine Gitarrenszene im Osten?

Detlef Bunk: Eigentlich nicht, wenn mal internationale Größen auftreten, dann schaut man schon einmal von seiner Wolke herunter. Aber wenn fantastische Musik von unbekannten Musikern präsentiert wird, bleiben die meisten in ihrer Eierschale. Die Klassiker hocken zusammen, die Akustikspieler machen ihr Ding, aber als eine Gitarrenszene würde ich das nicht bezeichnen.

Zurück zu dir, was gibt es für Projekte in denen du mitarbeitest?

Detlef Bunk: Nun, Heureka hatte ich bereits erwäht, und dann spiele ich noch in einem Tango-Duo "Tango Infamia" mit dem Bandoneonspieler Jürgen Karthe. Wir spielen hauptsächlich argentinischen Tango, Walzer und Milongas der dreißiger Jahre. Mit diesem Programm konzertieren wir, aber wir spielen auch zum Tanzen. In Deutschland gibt es eine große Tangoszene und so touren wir viel mit dem Programm. Wir haben mittlerweile auch viele Anfragen aus dem Ausland

Was hast du in der Planung für die nächste Zeit?

Detlef Bunk: Ich werde natürlich weiter Tango spielen, wobei wir auch eventuell eine CD machen wollen. Mit Heureka haben wir grade eine CD gemacht die demnächst erscheint und "Wanderungen" heißen wird. Und ich arbeite an einer neuen Solo CD, die ich noch dieses Jahr aufnehmen will, und auf der ich die Impressionen meiner letzten Kalifornienreise verarbeiten werde. Die meisten Titel dafür sind schon fertig und die Ideen für den anderen Teil sind schon da und müssen nur noch umgesetzt werden. Außerdem habe ich eine Sammlung von leichten bis mittelschweren Schülerstücken geschrieben und ein Ensemblestück, die "Tänzer - Suite" für die ich ein Verlag finden möchte. Na ja, und das ist ja auch eigentlich eine ganze Menge, oder?

Diskographie

Detlef Bunk - "nice feeling" 1996

Mit Heureka:

heureka - "ohrakel" 1992

heureka - "Wanderungen" 1999


alle CDs über

Detlef Bunk

Burgkstraße 12

01159 Dresden

0351 / 421 33 54


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Diane Poncio

In dem Programmheft steht Singer - Songwriter, das ist sicher nicht falsch, stimmt aber auch nicht so ganz. Sie singt ihre Lieder und spielt dazu Gitarre, aber wer jetzt an 20-strophige langweilig bohrende Sozialkritik mit drei Akkorden denkt liegt völlig daneben. Diane Ponzios Songs kommen direkt aus dem Herzen, sind spritzig, persönlich, aber nie peinlich privat. Sie erzählt aus ihrem Leben aus New York , von Menschen und Personen und von Dingen die ihr wichtig sind. Mit ihren Liedern und ihrer Art zieht sie die Zuhörer in einen Bann der noch über den letzten Ton hinaus anhält. Ihr Gitarrenspiel ist aufregend und ausgeklügelt, und sie wird auf der Bühne zu einer Band , der sich niemand entziehen kann. Im März spielte sie im Buchcafé in Bad Hersfeld und wir konnten uns dort noch ein bißchen unterhalten.


Diane, du bist oft in Deutschland, wie kommt es zu dieser ausgeprägten Beziehung?

Diane Ponzio: Es ist wie die Geschichte des Samenkorns, das zur Blume, dann zum Beet und später vielleicht einmal zum Garten wird.

Meine ersten Berührungen mit Deutschland kamen durch Präsentationen für Martin - Guitars zustande. Chris Martin, dem jetzige Inhaber war es zu trocken seine Gitarren nur zu zeigen und darüber zu reden, er wollte, daß sie auch vorgespielt wurden. Aber er wollte dafür niemanden der berühmt ist, weil er nicht wollte, daß die Leute nur kommen um den Star zu sehen, sondern daß sie kommen um die Gitarren zu hören. Und so machte ich meine ersten Erfahrungen mit Deutschland.

Ich erinnere mich noch genau, an Musikgeschäft in Braunschweig. Es kamen so viele Leute, daß viele auf der Erde sitzen mußten, es war brechend voll. Sie hörten auf jeden Ton den ich spielte und auf jeden Atemzug den ich tat. Sie hörten so aufmerksam zu, daß ich das Gefühl hatte, sie würden nicht einmal mehr atmen , um nichts zu verpassen.

Ich war in diesem Moment so beeindruckt von dem kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Amerika mit seinen vielen und schnell wechselnden Vorbildern, wo sie mit 65 Fernsehkanälen aufwachsen und nie gelernt haben wirklich aufmerksam zu sein. Deutschland ist diesbezüglich etwas ganz besonderes, denn alle Musiker und Musikerinnen die ich kenne und ich denke alle Musiker der letzten 50 Jahre kommen nach Deutschland, weil es hier eine so ungeheure Wertschätzung der Kunst gibt.

Nach diesem Auftritt in Braunschweig kam jemand auf mich zu und sagte, er würde mir ein bis zwei Konzerte organisieren, wenn ich das nächste mal nach Deutschland komme. Und so kam es, das ich durch Freunde und Verbindungen der Freunde zu Freunden zwei mal im Jahr nach Deutschland kam um ein paar Konzerte zu spielen.

Als ich nach einer dieser Touren nach Hause flog, war ich sehr unzufrieden mit mir, es ärgerte mich, daß ich keine Möglichkeiten hatte den Leuten meine Musik mit nach Hause zu geben, es gab von mir keine Kassette, keine CD, nichts, und warum ? weil ich so blöd war und glaubte, ich müßte auf einen Dicken mit Zigarre warten der reinkommt und sagt: " Hey Kleine, das ist ganz ordentlich was du machst, unterschreib hier." Ich dachte ich muß verrückt sein, um auf eine Plattenfirma zu warten die mir sagt daß ich gut genug bin, also, warum mache ich die CD nicht selber?

Und so machte ich meine erste CD. Es war eine aufregende Zeit für mich. Ich erinnere mich noch genau, ich kam mit 100 CDs ( ich hatte Tausend gemacht ) nach Deutschland und war ein bißchen nervös. Mein erster Auftritt mit CDs in der Tasche war in einem gut gefüllten Gewölbekeller in Wolfenbüttel und nahezu jeder wollte meine CD haben, es war ein großartiges Gefühl.

Die Konzerttouren wurden immer noch von Freunden organisiert, es war eine gute Zeit, aber sehr unprofessionell und ich wußte nie ob die Konzerte auch stattfanden.

Dann, im Oktober 94, hörte mich Günter Pauler von Stockfisch.

Nach dem Konzert sagte er mir, daß er gern eine CD mit mir aufnehmen würde. Ich war sehr überrascht, kein Fettman, keine Zigarren und so einfach.

Im Juli trafen wir uns, zusammen mit Chris Jones, der auf der CD die zweite Gitarre spielt bei Stockfisch und nach vier Tagen waren die Aufnahmen fertig. Es war die aufregendste und nützlichste Studioerfahrung die ich je hatte, und es war einfach eine schöne Zeit, es war Sommer, abends gingen wir in einem See schwimmen und so entstand meine zweite CD "Army Of Angels". Es war eine Woche die ich nie vergessen werde.

Im Oktober hörte ich dann die erste Probepressung, ich war begeistert und wußte es wird eine gute CD. Seit Januar 96 ist sie nun auch im Handel erhältlich.

Mit so kleinen Plattenfirmen ist es so eine Sache, auf der einen Seite gehen sie sehr sorgsam mit deiner Musik um und machen eine schöne CD. Aber es gibt nur wenig oder manchmal auch keine Werbung und bei jemanden wie mir, der in Deutschland völlig unbekannt ist, wird die CD kaum in einem Plattenladen verkauft werden, weil auch niemand danach fragt, du mußt sie also selber verkaufen.

Die Leute müssen mich im Konzert, oder die CD bei Freunden hören dann kann ich sie verkaufen. Und das ist sehr viel Arbeit, ich muß alles alleine machen.

Auf der anderen Seite, dadurch das ich eine Platte bei einem deutschen Label aufgenommen habe, hatte ich die Möglichkeit einen Agenten zu bekommen, denn die Freundschaftstouren hatten immer etwas von einem Flohzirkus, man weiß nie, bekomme ich genug Gigs..........

Im März 96 fuhr ich nach Freiburg, ein Freund, machte mich unter anderem mit Joachim Fischer bekannt, der nun schon drei Touren für mich organisiert hat. Das ist schon ein riesen Unterschied, es gibt Verträge, und wenn ich ankomme ist alles organisiert und ich merke das die Samen Früchte tragen. Für mich ist es dadurch einfacher geworden, denn ich spiele ca. 15 Konzerte pro Tour, kann meine CDs verkaufen und das Publikum ist immer noch das Beste der Welt.

Du sagst, daß dein Publikum sehr aufmerksam ist, meinst du es liegt nur daran das wir in Deutschland sind?

Diane Ponzio: Meine Musik ist sehr persönlich und viele in der Branche glauben das es sehr schlecht für das Geschäft ist, weil niemand etwas persönliches hören möchte. Ich glaube das diese Leute mit dieser Meinung voll danebenliegen !

Ich glaube, das wir Menschen das sehen und fühlen wollen was wahr ist und das wir ein großes Interesse an der Wirklichkeit haben. Ich denke, wenn ich eine Geschichte erzähle die sehr persönlich ist, ich meine nicht: " Ohje, ich habe mir meinen Fingernagel abgebrochen!", das ist zwar persönlich, aber völlig uninteressant und unwichtig, dann soll sich jeder im Saal damit identifizieren können.

Wenn ich z.B. von meinen Eltern erzähle die einfach älter werden, so kann das jeder nachvollziehen, weil jeder Eltern hat, oder Verwandte die älter werden und so hat jeder eine Beziehung zu diesem Thema. oder der Konflikt den jeder kennt, daß wir Dinge tun , die wir nicht tun wollen, ein Thema gerade für die jungen Leute die sich mit 22 fragen: "oh Gott, soll ich das mein Leben lang machen?".

Ich denke ich habe auch viel zu verschiedenen Aspekten der amerikanischen Kultur zu sagen.

Wenn ich an die Konzerte denke die ich gehört habe, so waren die, die wie die CD klangen nicht sehr aufregend. Bemerkenswert waren die Konzerte in denen die Musiker es einem möglich machten ihrer Person, - ihrer Persönlichkeit zu folgen.

In den 80er Jahren hörte jeder Bruce Springsteen, und bis ich ihn auf der Bühne gesehen hatte, mochte ich seine Platten nicht besonders. Sein Konzert war unglaublich, er hat wirklich Kontakt zum Publikum, und so bekamen seine Platten auch für mich Leben. Deshalb glaube ich, wenn man in ein Konzert geht und den Künstler ein bißchen versteht, versteht man auch ein bißchen mehr von sich selbst. Und wenn ich auf die Bühne gehe und singe und erzähle, bin ich mit meinem Publikum wirklich in einer Unterhaltung. Sicher, ihr Part ist eher ruhig, aber sie unterhalten sich dennoch mit mir, denn ich kann in ihre Gesichter sehen, ich sehe sie lachen und manchmal sehe ich auch eine Träne und ich merke die Leute können auch fühlen was ich meine, darum geht es mir.

Ich möchte daß sie lachen , daß sie traurig sind und daß sie nach dem Konzert ein paar Dinge mit anderen Augen sehen. Wenn ich das in zwei Stunden geschafft habe, habe ich geschafft was ich schaffen wollte.

Aber um das zu erreichen muß man ehrlich sein und sein was man ist. Ich kann nicht auf die Bühne gehen und über Dinge singen und reden die ich nicht fühle und an die ich nicht glaube.

Musik in ihrer besten Form ist eine sehr spezielle Art der Kommunikation, du kannst sie fühlen, sie ist nicht zur Unterhaltung, oder für den Hintergrund.

Du singst sehr leidenschaftlich, deine Stimme ist sehr dynamisch und unglaublich kraftvoll, hast du jemals Unterricht gehabt?

Diane Ponzio: Oh ja, ich habe sieben Jahre lang zwei mal in der Woche bei einer Opernsängerin Unterricht gehabt. Alles was ich kann habe ich von ihr. Davor habe ich natürlich auch gesungen, aber ich habe nicht gewußt was ich mit meiner Stimme gemacht habe. Von ihr habe ich gelernt, daß sich Singen zu 90% im Kopf abspielt. Selbstverständlich braucht man zum Singen Muskeln, aber mit Gefühl singen und jede Note hören bevor man sie singt ist viel mehr und es ist dazu noch eine gute Übung für Geist und Verstand.

Ich liebe es zu singen, ich bin sehr vorsichtig mit meiner Stimme, ich trinke und rauche nicht - überhaupt nicht - und das ist ein großer Vorteil beim Reisen, ich kann Abend für Abend ohne Probleme singen. Es ist wichtig, daß man mit seiner Stimme sorgsam umgeht, der Körper ist das Instrument und man kann nicht, wie beim Schlagzeug, einfach ein neues Fell aufziehen wenn das Alte zerrissen ist.

Beim Singen muß man immer da sein wo man ist, wenn man den Augenblick aus den Augen verliert, verliert man auch die Stimme und sein Publikum. Es ist wie ein Hochseilakt, du mußt immer in der Bewegung sein die läuft, nicht davor und nicht dahinter.

Stimme und Gitarre sind für mich wie ein Ehepaar, sie gehören zusammen, sie unterstützen sich gegenseitig und ich habe eine gleichstarke Beziehung zu beiden. Deshalb gehören für mich auch Singen, Gitarrespielen und Liederschreiben direkt zusammen.

Kannst du uns etwas über deine sehr spezielle Art des Gitarrenspielens sagen?

Diane Poncio: Die Gitarre ist ein häufig mißverstandenes und mißbrauchtes Instrument, fast jeder auf der Welt kann ein oder zwei Akkorde spielen, und fast jeder hat irgend eine Gitarre im Haus. Leider Sind das furchtbar schlechte Instrumente, und wenn jemand versucht darauf Gitarre zu lernen wird er höchstens frustriert.

Jeder der Gitarre lernen möchte, sollte soviel Geld wie möglich anlegen und sich ein vernünftiges Instrument kaufen. Das macht es einfacher Gitarre zu lernrn, denn gitarrespielen ist nicht leicht.

Ich habe nie Gitarre gelernt oder studiert, ich habe Musiktheorie gelernt, Blattsingen , Notenschreiben, aber ich hatte nie Gitarrenunterricht. Ich habe Gitarre gelernt, weil ich es unbedingt wollte.

Meine erste Gitarre war von "New York City Kaufhof" und es war ein grauenhaftes Instrument, aber ich habe sie geliebt. Ich war noch sehr jung, ich glaube 13, und ich habe, wie die Hälfte unser Generation mit Beatles Songbooks und den entsprechenden Akkorddiagrammen und Akkordsymbolen über dem Text Gitarre gelernt.

Irgendwann habe ich angefangen mir meine eigenen Akkorde zu machen und glaubte ich hätte sie erfunden, natürlich gab es sie schon. Eines Tages bekam ich ein Buch mit Akkorden, so ein Akkordlexikon, mit über 1000 Akkorden geschenkt, das hat mir eine ganz neue Welt eröffnet, weil die Akkorde auch für alle möglichen Positionen auf dem Griffbrett gezeigt wurden. So bekam ich zu den Akkorden auch noch die Voicings geliefert.

Am Anfang meiner Kariere bestanden meine Lieder aus den Akkordverbindungen die ich kannte und mochte und alle Stücke klangen irgendwie gleich, weil ich nur ein paar Harmonien kannte. Als ich dann mehr Akkorde kannte und mehr über Akkorde wußte, konnte ich auch besser damit umgehen, ich konnte sie gezielt einsetzen.

Ich schrieb jetzt meine Lieder in verschiedenen Tonarten, in unterschiedlichen Tempi und so bekamen meine Stücke auch einen unterschiedlichen Charakter.

Das ist die Zeit in der mir klar wurde, daß die Gitarre ein percussives Instrument ist.

Vielen die auf der Gitarre spielen ( schraddeln ) ist nicht klar, daß nicht immer alle Saiten klingen müssen, du kannst selbst mit drei oder vier Saiten ein volles Akkordfeeling erreichen. Mit der rechten Hand hat man die Möglichkeiten eines gesamten Schlagzeugs, denn jeder Finger kann etwas anderes machen, einer kann die Saite zupfen, ein anderer die Saite schlagen und man kann auf den Korpus schlagen. So kann man auch als Sologitarrist den Eindruck erwecken, daß eine ganze Band auf der Bühne steht.

Es gibt große Vorurteile und sehr stereotype Vorstellungen gerade in Bezug auf Gitarristinnen, Singer - Songwriterinnen. Sobald eine Frau mit einer akustischen Gitarre auf der Bühne erscheint, denken alle an näselnden Gesang und viel Langeweile. Das macht mich sehr ärgerlich, weil es natürlich ein übles Vorurteil ist und ich lasse keine Chance aus den Leuten zu erklären das es nicht stimmt. Man kann mit der Gitarre jede Art von Musik machen, man kann sie percussiv spielen, du kannst Akzente setzen, du hast unglaubliche Möglichkeiten.

Mir ist es z.B. wichtig dem Zuhörer Platz zu lassen, um eigenes in die Musik einzufügen. Oft kommen Leute nach dem Konzert zu mir und sagen, daß sie ein tolles Saxophon oder ein schönen Percussionfill gehört haben, man muß den Leuten etwas Platz lassen zum Hören. Das ist für mich auch ein Problem bei Musikvideos, sie lassen keinen Platz für die Phantasie. Für mich ist es schön, Musik zu hören und dabei mein eigenes Video im Kopf laufen zu lassen.

Ich mag Jazz, ich mag Blues, einen Teil der Folkmusik, ich mag Rock´n´Roll, Reagge, Salsa........und ich habe die Möglichkeit Dinge die mir gefallen so zu verbinden, daß sie zu meinem eigenen Persönlichen Stiel werden. Das ist in der momentanen Muzsikindustrie sicher nicht sehr populär. Die Leute wollen eine Schublade in die sie einen stecken können, und ich will mich in keine Schublade zwängen oder mich eingrenzen lassen, aber ich bin mir sicher das jeder sofort hören kann, wenn ein Lied von mir ist. Und das ist der Punkt, ich habe meinen eigenen Steil, auch wenn ich mir hier und da etwas ausborge. Natürlich ist es dann schwerer einzuordnen und noch schwerer kommerziell zu vermarkten.

Die ganze Idee der Kommerzialisierung basiert darauf, wichtig zu sein und Geld zu haben. Aber wenn ich wichtig bin, was passiert dann mit dir ? Es macht dich unwichtig, und das ist kein Spiel das ich spielen möchte, ich bin ja kein bißchen wichtiger als du oder irgend jemand sonst.


class="question"Du hast erzählt, daß du mit Martin - Guitars ein neues Modell für Frauen entworfen hast, wie kam es dazu?

Diane Ponzio: Als Gitarristin hatte ich das Gefühl, daß gerade Dreadnought-Gitarren für Frauen nicht gut zu spielen sind und ich glaube, daß die Gitarre ein wunderbares Instrument ist, sie hat die Möglichkeit, einen wirklich guten Sound zu produzieren und sie ist ein Instrument das dir die Möglichkeit gibt, mit dir selbst zu kommunizieren. Die Frauen sind noch ein bißchen aus der Gitarrenwelt ausgeschlossen, daß liegt einmal an der Gitarrenform , und zum anderen an der männlichen Überheblichkeit. Es gibt einfach noch zu viele Vorurteile, viele denken, wenn sie eine Frau mit Gitarre sehen an Singen durch die Nase und an Blumen im Haar. Diese Vorurteile müssen wir einfach aufbrechen, weil sie nicht mehr wahr sind und ich habe großes Interesse daran für Gitarren Werbung zu machen, die auch von Frauen gut gespielt werden können. Ich habe in Deutschland noch keine Gitarristin getroffen, wo sind sie ? Sie müssen doch irgendwo sein, ich würde sie gerne treffen.

Letztes Jahr war ich auf einem großartigen Festival in Witzenhausen ( mit Alex de Grassi, Jacques Stotzem, Peter Finger und Detlef Bunk ) und ich war froh dort zu sein und glücklich dort auftreten zu können, weil so selten Frauen zu Gitarrenfestivals eingeladen werden.

Mir ist es wichtig jeden, aber gerade Frauen jeden Alters zu ermutigen Gitarre zu spielen, und zwar nicht schüchtern sondern richtig, mit viel Spaß.

Wie wichtig ist Musiktheorie für dich ?

Diane Ponzio: Oh, gute Frage. Theorie ist sehr wichtig, ich sage immer zu Leuten die glauben es würde ihre Kreativität behindern, wenn sie sich mit Theorie auseinandersetzen, stellt euch vor ihr wollt ein Buch schreiben ohne schreiben zu können. Vielleicht könnte ich sogar grammatikalischen Regeln revolutionieren, aber vorher müßte ich sie kennen.

Sich mit Musiktheorie auszukennen heißt doch nur, ein Handwerkzeug mehr in der Werkzeugtasche zu haben, vielleicht benutzt du es, vielleicht auch nicht, aber wenn du es brauchst, ist es da.

Theorie ist vor allem eine ganz wichtige Voraussetzung , wenn du mit anderen Musik machen willst, man kann sich dann ganz einfach verständigen und muß nicht alles 30 mal erklären weil keiner versteht worum es geht. Du gibst ihnen den Melodieverlauf und die Harmonien und jeder kann sofort sehen wo es lang gehen soll.

Meine letzte Platte, die mit der New Yorker Band, haben wir in 4 Stunden aufgenommen, wir haben zwanzig Stücke in der Zeit eingespielt, live im Studio.

Einige Stücke auf der Platte haben wir nur ein einziges mal gespielt, alle können Musik lesen, sie alle haben an Hand der Noten gesehen was in der Musik steckt und konnten dann mit mir meine Stücke spielen. Was kann daran schlecht sein? Und jeder der sagt daß es nicht so wichtig ist, ist nur zu faul!

Theorie kann einem nur helfen, und gerade als Songschreiber ist es phantastisch dieses Werkzeug zu haben, du kannst dich selbst kontrollieren, kannst sehen, ob die Melodien in der Harmonie laufen und du kannst eine Melodielinie so verändern, das sie richtig fließt und die richtigen Akkorde und Umkehrungen an der richtigen Stelle stehen. Das Publikum merkt sofort wenn etwas nicht stimmt. Es möchte zwar überrascht, aber nicht für dumm verkauft werden.

Es ist doch phantastisch, wenn man neue Lieder schreibt und dann alles zusammenpaßt, und da ist Theorie einfach ein unentbehrliches Werkzeug.

Selbst wenn man nur zum Spaß zu Hause mit anderen Musik macht, vereinfacht es das Zusammenspielen, es hilft, ganz bestimmt.

Gibst du eigentlich viel Unterricht ?

Diane Ponzio: Ich gebe ein paar Workshops im Jahr, mit verschiedenen Schwerpunkten, aber hauptsächlich bin ich auf Tour und verdiene mein Geld mit Auftritten. Workshops machen mir schon viel Spaß, aber wenn ich es jeden Tag machen müßte würde ich es hassen. Aber so treffe ich ab und an Leute mit denen ich reden kann, ein Grund warum ich lebe, mit Leuten reden ist meine Aufgabe, meine Passion, und es macht einfach Spaß.

( Holger Reuning )

Day In, Day Out 1992 Soulfeggio Music ( Nicht mehr erhältlich )

Army Of Angels 1995 Stockfisch

Diane Ponzio live at Master Sound Astoria

1997 Soulfeggio Music ( in Deutschland nur über: Joachim Fischer Staffelgasse 3 74336 Brackenheim )


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Holger Reuning

GITARRE aktuell: Es muß Anfang der neunziger Jahre gewesen sein, als ich dich das erste Mal in Göttingen getroffen habe. Da gab es einen sehr schönen Gitarrenladen, der auch Göttinger Gitarrenladen hieß, und der so meine Vorstellung von einem solchen entsprach. Neben Konzertgitarren in allen Preisklassen, gab es Steelstrings, kompletten Servis, gut sortiertes Notenmaterial, CDs u.u.u. Was hatte es mit dem Laden auf sich, und was ist aus ihm geworden?

Holger Reuning: Nun ja, die Idee die hinter diesem Laden stand, war, das jeder Gitarrist ein adäquates Instrument bekommen kann, quer durch alle Gitarrenarten und Klassen. Das einzige Genre, von dem wir uns fernhielten, war die Jazz-Gitarre, aber früher oder später wären sie auch noch dazu gekommen. Der Zweite Punkt war die Serviceidee, kompetente Beratung, alle Arten von Reparaturen, Tonabnehmer, Capos, Noten, Fachzeitungen, Gitarren CDs....... alles eben. Und wir hatten ein unglaubliches Pecussion-Sortiment, daß uns allen im Laden viel Spaß gemacht hat. Wir haben den Laden zu zweit geführt, so konnte immer einer der Chefs im Laden sein, und einer in der Werkstatt um zu bauen. Und wir hatten sehr gute Mitarbeiter, ohne die so ein Laden auch nicht zu führen geht, manche Chefs vergessen das. Aber dann kam uns beiden Nachwuchs ins Haus und wir mußten überlegen wie wir weitermachen wollten. Da ich gern mein Kind ab und zu sehen möchte, und es meinem Kollegen ähnlich ging, beschlossen wir den Laden zu verkaufen, was uns dann auch gelungen ist.

Was hast du eigentlich gemacht? Gab es eine Entwicklung - Schule Lehre, Meister?

Es gab schon eine Entwicklung, aber nicht ganz so gradlinig. Ich wollte schon immer Gitarren bauen, nur gibt es ja eigentlich keine Lehrstellen. Und so habe ich mir den Beruf sehr schnell abgeschminkt. Aber der Zufall wollte es zum Glück anders. Ich habe dann in Gießen Musikpädagogik und systematische Musikwissenschaft studiert; und zu der Zeit machte Martin Seeliger ( heute Lakewood ) in Gießen einen Gitarrenladen auf, in dem ich während meines Studiums arbeitete um mir mein Studium zu finanzieren. Eines Tages fragte mich Martin Seeliger, ob ich nicht eine Lehre bei ihm in der neuen Werkstatt, die er neben dem Laden aufmachte, beginnen wollte. Ich sagte sofort zu! Und so kam es, daß ich doch Gitarrenbauer wurde und dann auch meinen Meister gemacht habe und jetzt hier in Bad Hersfeld selbständig bin.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Gitarren zu bauen?

So genau weiß ich das gar nicht, ich spiele seit meinem 10ten oder 11ten Lebensjahr Gitarre und habe es immer sehr gemocht mit Holz zu arbeiten. Ich denke, daß der Gitarrenbau eine fast logische Konsequenz daraus ist.

War dein Schritt in die Selbständigkeit nach deiner Ausbildung bei Martin Seeliger vorprogrammiert, oder reifte der Gedanke, eigene Modelle zu entwickeln, später?

Wenn jemand Gitarrenbauer wird oder werden will, sollte er sich im Klaren darüber sein, daß der einzige Weg dieses Handwerk befriedigend auszuüben, die Selbständigkeit ist. Gesellenstellen gibt es eigentlich nicht, und wenn es mal welche gibt, sind die eigentlichen Dinge des Gitarrenbaus, nämlich Kreativität, neue und eigene Ideen entwickeln, ein eigenes Design zu kreieren, nicht mit im Programm. Aber das sind genau die Dinge wegen denen ich Gitarrenbauer geworden bin, und weil ich so auch die Möglichkeit habe Gitarristen eine Gitarre "auf den Leib zu schneidern". Ich habe auch schon zu Lehrzeiten eigene Gitarren gebaut, und der Weg in die Selbständigkeit war nie eine Frage für mich.

Ich habe über einen längeren Zeitraum immer wieder mal Instrumente spielen können und war jedes mal überrascht, daß sie immer noch besser klingen und so einen warmen brillanten Ton haben, Wie schafft man so eine Kontinuität im Bau durchzuhalten? Ist es Handwerk, Erfahrung oder Material?

Ich glaube es ist alles drei zusammen und geht auch nicht voneinander zu trennen. Ich glaube eine Gitarre ist wie ein gutes Essen, je besser die Zutaten um so besser das Essen; wenn man dann noch einen guten Koch mit viel Erfahrungen hat.... . Ein nicht unerheblicher Bestandteil einer guten Gitarre sind natürlich die Hölzer die man verwendet, so verbaue ich nichts, was nicht schon mindestens 10 Jahre in meinem Besitz, und somit sehr gut abgelagert ist. Ich hatte schon vor längerer Zeit die Möglichkeit von einem Kollegen der sich zur Ruhe gesetzt hat, Holz von 1969 zu kaufen, das sind natürlich glückliche Zufälle, wenn man mal an so etwas herankommt. Die Kontinuität kommt hauptsächlich durch Konsequenz, nichts ist unwichtig, und man darf nicht anfangen zu schluren oder zu hetzen, wenn man sich nicht Konzentrieren kann sollte man lieber erstmal was anderes machen und erst wieder an die Gitarren gehen, wenn man richtig bei der Sache sein kann. Das ist sicher eine sehr altmodische Einstellung zur Arbeit, aber sie macht sich letzt endlich bezahlt, und es ist am Schluß zu hören.

Dein Hauptaugenmerk gilt dem Bau klassischer Gitarren, warum?

Eigentlich liegt mein Hauptaugenmerk auf den akustischen Gitarren, daß es z.Zt. mehr die klassischen Gitarren sind, hat sich irgendwie ergeben, ich kann nicht einmal genau sagen warum, aber ich habe auch immer Steelstring Gitarren gebaut. Die letzte habe ich dieses Jahr für Jan Allain, der Londoner Singer-Songwriterin gebaut, daß hat auch sehr viel Spaß gemacht, weil sie genaue Vorstellungen hatte, und ich somit eine ganz eigene Idee bei dieser Gitarre verwirklichen mußte. Ich kann aber nicht sagen, daß mir das eine oder andere mehr oder weniger Spaß macht, ich mag beide Gitarrentypen sehr, und spiele sie ja auch selber.

Anfang des Jahres hatte ich eine von dir gebaute Steelstring-Gitarre in der Hand - ein Umdenken? Kann man da auf mehr in der Richtung hoffen, oder wie ist das zu Stande gekommen?

Es ist natürlich immer auch eine Sache der Nachfrage und nicht unbedingt des Umdenkens, ich habe ja viele Jahre bei Lakewood Steelstring-Gitarren gebaut, und auch zwischendurch immer mal wieder eine, sicher spielt da auch die Tatsache eine Rolle, daß viel mehr Konzertgitarren von mir im Umlauf und auf der Bühne sind als Stahlsaiten-Gitarren.

Wer spielt deine Gitarren, und wie vertreibst du sie?

Ja, wie gesagt Jan Allain ist die wohl bekannteste Vertreterin meiner Steelstring-Gitarren, wer sie noch nicht gehört hat, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, ihre Auftritte machen einfach Spaß, und sie hat auch oft tolle Musiker mit auf der Bühne. Bei den klassischen Gitarren ist die Liste der bekannten Gitarristen schon etwas länger. Zu den, die man kennen könnte, oder gar kennen sollte, gehören der Komponist und natürlich Gitarrist Lorenz Schmidt aus Schweinfurt, das Duo Tedesco mit Barbara und Eugéne Hölzer, die auch aus Schweinfurt kommen, der Flamencogitarrist Miguel Iven, der für mich wirklich einer der größten Flamencospieler dieser Tage ist und der Lautenist Stephen Stubbs, der eine Gitarre von mir spielt und für alle Liebhaber genialer Musik eine wunderschöne Dowland-Platte ( neben einigen anderen schönen Platten ) mit John Surman u.a. bei ECM eingespielt hat. Sonst sind da noch die nicht so bekannten Gitarrenspieler, die halbprofessionellen und guten Amateure die meine Gitarren spielen. Ich verkaufe meine Gitarren direkt aus meiner Werkstatt heraus, ich fahre, so es meine Zeit erlaubt, immer mal wieder auf Gitarrenseminare und mache Ausstellungen oder halte Vorträge über die Gitarre oder den Gitarrenbau, und so lernen die Leute meine Gitarren kennen, und zuweilen kaufen sie dann auch mal eine. Mit Geschäften arbeite ich eigentlich nicht zusammen, außer mit Herrn Viertman in Köln, wir haben uns bei einem Gitarrenseminar getroffen und uns sehr nett unterhalten, und so versuche ich, daß immer eine Gitarre von mir bei ihm im Geschäft steht. Meistens rufen die Kunden mich an, weil sie irgendwo eine Gitarre von mir gehört haben und sie kommen dann vorbei und probieren meine Instrumente in der Werkstatt aus.

Du bist nicht nur Gitarrenbauer, sondern betätigst dich auch als Veranstalter von Gitarrenmusik? Wie kam es dazu?

Oh, daß ist eine lange, aber sehr einfache Geschichte. Ich komme aus Peine, einer Kleinstadt bei Hannover, das Kulturleben war zu der Zeit als ich noch dort wohnte eher eingeschränkt, bis kaum vorhanden. In Gießen war das Angebot dann schon besser, aber was die Gitarrenkonzerte angeht, war es auch nicht grade üppig. Und wenn ich die Gitarristen hören wollte, die mich am meisten interessierten, hätte ich sehr weit fahren müssen, und dazu hatte ich oft nicht die Zeit und das Geld. Als ich dann den Laden in Göttingen hatte, habe ich in Witzenhausen gewohnt, einem reizenden Städtchen im nördlichsten Winkel Hessens. Dort habe ich zusammen mit dem Kulturverein eine Gitarrenkonzertreihe aufgebaut, die fast acht Jahre gelaufen ist. Und dort haben wir um die 40 Gitarrenkonzerte veranstaltet, und ich hatte freie Hand diese Reihe zu gestalten, einfach eine tolle Situation. Und ich konnte mir so manchen Wunsch erfüllen, so spielten dort Dale Kavanagh, Ester Maria Guzmann, Enno Vorhorst, der eine super Barrioseinspielung bei Sony gemacht hat, Miguel Iven, das Prager Gitarrenquartett, Gruber-Maklar, Andrzej Mokry, Jim Nilson aus Stockholm und und und... Oder eben auch Konzerte mit ausgefallenen Besetzungen, wie Gitarre mit Streichquartett, Gitarre und Oboe, Laute mit Cembalo....... und wenn man einmal dabei ist, kann man es nicht mehr lassen. Ein Highlight war ein Steelstring-Festival mit Alex de Grassi, Peter Finger mit Florian Poser am Vibraphon, Jaques Stotzem, Diane Ponzio und Detlef Bunk. Diese Reihe aus Witzenhausen hat sich wie selbstverständlich hier in Bad Hersfeld weiter fortgesetzt. Und ich habe mit dem Buchcafé, dem hiesigen Kulturclub einen phantastischen Partner gefunden, wo hochkarätige Veranstaltungen aller Art laufen, und der natürlich, wie alle Kulturclubs oder Initiativen mit viel zuwenig Geld bedacht wird. Wenn man sieht, was in Großveranstaltungen für Gelder der öffentlichen Hand verschleudert wird, und was die kleinen Clubs bekommen, die zum Teil eine super Arbeit machen, dann versteht man die Verhältnisse nicht mehr.

Wie beurteilst du das momentane Interesse an akustischer Gitarrenmusik?

Ich glaube es ist sehr groß, nur wissen es die Leute nicht, das klingt etwas paradox, ...ist es vielleicht auch. Ich glaube viele haben in ihren Köpfen noch das Geschraddel der "How many roads-Generation" . Das will nun wirklich keiner mehr hören, und der Ruf der Gitarre ist tendenziell schlecht. Wenn man aber die Leute mal in ein Gitarrenkonzert bekommt, dann sind sie immer begeistert (so es nicht unglaublich schlecht war). Und man bekommt zu hören: Ich hätte nicht gedacht, daß es so was gibt, das eine Gitarre so toll klingen kann usw. Und so haben die Gitarristen noch immer mit ihrem Image zu kämpfen, aber es ist wie immer, Gut Ding will Weile haben. Kaum ein Instrument ist so innovativ und so stark in allen Genren vertreten wie die Gitarre. Rock, Pop, Jazz, Klassik, Fusion, Latin, Samba.... welches Instrument kann das schon von sich sagen? Wenn ich mal auf Seminaren oder Workshops bin, bin ich immer wieder überrascht, wie groß das Interesse ist, und würde in den Medien die Gitarre stärker vertreten sein, ich bin mir sicher die Konzertsäle währen voll wie zu Segovias besten Zeiten. Man muß ja nur mal in ein CD-Laden gehen, wie viele Gitarren CDs wirst du finden. Peter Finger hat mit seinem Label viel geleistet und es zeigt, das es eine große Hörerschaft gibt, das selbe gilt für den klassischen Bereich, aber aus irgend einem Grund, werden die Gitarristen nicht wahrgenommen und kommen im Moment nur schwer aus ihrem Insider-Kreis heraus, aber ich bin mir sicher, das wird sich ändern.

Eigentlich kenne ich kaum konzertierende Gitarrenbauer, du bist wohl eine der berühmten Ausnahmen?! Es gibt eine Formation, die sich "Patchwork" nennt und darin musizieren Monika Rosenthal (Gesang) und Holger Reuning (Gitarre). Was Habt ihr im Repertoire? Wo kann man euch hören?

Es ist eine bunte Mixtur aus allen Zeiten und verschiedenen Stilrichtungen

und Monika Rosenthal ist wirklich eine tolle Sängerin. Aber es gibt uns auch als Vierer-Pack, mit noch einer Gitarre und einer Querflöte. Wir spielen Renaissancemusik, aber auch Musik der 20er und 30er Jahre, Georg Kreisler, einfach alles was uns Spaß macht. Es ist sicher nicht die Musik, die die Massen zieht, was die Musik auch nicht vertragen würde, sie gehört in kleine Clubs und kleine Kirchen, wo man noch einen direkten Zugang zum Publikum hat.

Da gibt es noch den Komponisten Holger Reuning, der für Kollegen schreibt und arbeitet....

Komponieren und Arrangieren ist wie Gitarrespielen mein Hobby und ein großer Spaß für mich. Ich sehe mich auch nicht als Komponisten, ich bin eher ein Stückeschreiber. Ich freue mich dann wie ein kleines Kind, wenn ich dann mitbekomme, daß jemand meine Sachen auch spielt. So habe ich Anfang des Jahres über drei Ecken erfahren, daß meine Einrichtung (Bearbeitung darf ich es aus rechtlichen Gründen nicht nennen) von Rachmaninoffs Vocalise für zwei Gitarren und Cello auf der letzten CD des Duos Bergerac (unbedingt kaufen) drauf ist. Oder neulich bekam ich Post von Reiner Schwander, er spielt auch zusammen mit dem Liedermacher Gerhard Schöne und Jörg Nassler, und er hat eine eigene CD gemacht, auf der er ein Stück von mir für Gitarre und Hackbrett, mit Bernhard von der Golz eingespielt hat. Die "Gruppo Tedesco" hat auch angefragt, ob ich etwas für sie arrangieren könnte, und so was freut einen dann schon sehr.

Du hast auch eine ganze Reihe von Heften bei Burger und Müller veröffentlicht.

Ja, mit Burger und Müller habe ich einen sehr netten Verlag gefunden, mit dem die Zusammenarbeit auch einfach viel Spaß macht und völlig unkompliziert ist. Ich habe bei ihnen bislang drei Hefte veröffentlicht, eine Sammlung mit didaktisch orientierten Gitarrenduetten, und einer sehr witzigen Suite für vier Gitarren und Blockflötenquartett. Frank Hiemenz hat mich dazu überredet, erst mußte ich lachen, aber dann hat er es geschafft mich neugierig zu machen. Erst konnte ich mir diese Besetzung gar nicht recht vorstellen, fand bis dahin Blockflöte auch nicht so toll (Grundschulgeschädigt), aber dann hatte ich eine Idee, die ich weiterverfolgt habe, und so ist eine sehr lockere Suite entstanden, die so im Schwierigkeitsgrad einer Musikschule liegt und ganz offensichtlich viel Spaß macht. Wenn meine Informationen stimmen, wurde die Suite auch von der EGTA empfohlen, oder dort vorgestellt. Das neueste Heft ist jetzt im Oktober erschienen und enthält die Sammlung meiner plattdeutschen Lieder nach Texten von Christina Sufka und Theodor Storm. Die Texte sind so gut und haben nichts von dieser finsteren Heimatduselei oder diesen endlosen Dönikenkram, es sind einfach herrliche Gedichte.

Wann kommst du zum Komponieren?

Meistens abends oder nachts. Am Tag bin ich in der Werkstatt, oder kümmere mich um meinen kleinen Sohn, der jetzt grade zur Schule gekommen ist. Manchmal kommen mir auch Ideen beim Autofahren, dann schreibe ich die Sachen auf wenn ich zu Hause bin, und manchmal wird was daraus, manchmal nicht.

Schreibst du nur für Gitarre?

Fast nur, wobei der kleinste Teil für Sologitarre ist, da gibt es zwei sehr schöne Suiten, eine davon ist Frank Hiemenz gewidmet, der sie auch gespielte, sich aber bedauerlicher Weise aus dem Konzertgeschäft ganz zurückgezogen hat. Das meiste habe ich wohl für zwei Gitarren und für Gitarre und Gesang geschrieben. Und dann gibt es eine Menge in unterschiedlichsten kammermusikalischen Besetzungen in denen die Gitarre immer dabei ist. Mein bislang umfangreichstes Werk ist ein Stück für 4 Gitarren, Streichquartett und Querflöte. Aber ich habe auch ein kleines Stückchen für Klavier, und eine ziemlich rasante Nummer für Klavier, Violine und Flöte geschrieben.

Was ist das für Musik die du schreibst, kann man das beschreiben?

Oh je,...... ich glaube es gibt zwei Fäden die sich durch meine Musik ziehen, der eine ist die Melodie, und da bin ich altmodisch, die darf ruhig schön sein. Der andere Faden besteht aus meist erweiterten Harmonien, wobei ich oft lange an den Voicings sitze. Wenn ich Gedichte vertone, versuche ich das Gedicht musikalisch zu erfassen, um eine zweite Erzählebene zu schaffen und den Text musikalisch zu unterstützen. Bei meinen Arrangements gibt es zwei Wege die ich gehe. Bei der Vocalise von der wir schon sprachen, habe ich mich natürlich sehr eng am Text gehalten, meine Bearbeitung von Greensleeves ist dagegen eher eine Variation geworden, wobei man das Stück erst ab der Hälfte erkennen kann. Es hört dann aber mit einem vierstimmigen Gesangssatz im alten Stil auf, zum Schluß ist also klar worum es geht. Wichtig ist mir dabei immer, daß es gitarristisch ist, es muß auf der Gitarre gut klingen, sonst läßt man es besser.

Was sind das für Gedichte die du vertonst?

Ich selber bin ein ganz schlecher Texter, und so suche ich mir Gedichte von Leuten die schreiben können. So habe ich eine Reihe von Gedichten aus der Feder des irischen Nationaldichters W.B.Yeats vertont. Eine andere Sammlung entstand nach Gedichten eines honduranischen Dichters den ich noch aus meinen Göttinger Zeiten kenne, Juan de Pineda, und er schreibt wirklich sehr schöne Gedichte, die aber kaum jemand kennt. Ein sehr glücklicher Zufall brachte mich mit Christina Sufka zusammen, sie schreib in Plattdeutscher Sprache und wir ergänzen uns auf wunderbare Weise, so daß es mittlerweile ein ganzes Plattdeutsches Programm gibt, in dem sie auch ihre fast kabarettistischen Prosatexte liest und wir dann meine Vertonungen ihrer Gedichte spielen.

Was sind deine Pläne oder Wünsche?

Nun, ich habe noch viele Ideen die ich an den zukünftigen Gitarren ausprobieren werde, um zu sehen was da dran ist, und um sie immer noch ein bißchen besser zu machen. Und ich würde gern mal ein Gitarrenquartett ausstatten, so mit Oktav-, Quint- (o. Quart-) , Prim- und Oktavbass-Gitarre bzw. Konzertbass-Gitarre, und davon ein Teil als 8-Saiter. Das gibt bestimmt den Sound des Jahrhunderts, nicht zu vergleichen mit dem Sound von vier normalen Gitarren.

Dann versuche ich seit Beginn immer mehrere fertige Instrumente zum Probieren in meiner Werkstatt zu haben, vielleicht schaffe ich es ja irgendwann.

Es gibt Überlegungen des Duo Bergerac eine CD mit Musik für zwei Gitarren und Cello zu produzieren, wofür ich auch das ein oder andere Arrangement machen soll, das ist ein Projekt, auf das ich mich schon sehr freue, und das bestimmt viel Spaß machen wird. Ich habe auch noch ein paar Ideen für kleinere Suiten mit mehreren Gitarren und anderen Instrumenten, aber dazu werde ich erst 2002 kommen.


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Jan Allain

Jan Allain kommt aus London, sie ist in Islington, einem nordöstlichen Teil Londons aufgewachsen, einem Stadtteil mit viel Musik und vielen unterschiedlichen Kulturen aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie ist eine Poetin, deren Lieder so reichhaltig und unterschiedlich sind wie das Leben. Sie hat bislang fünf CDs aufgenommen und arbeitet an der sechsten. Ihre Musik geht zusammen mit dem Text und bringt somit die Inhalte auf den Punkt. Eine ungewöhnliche Frau mit sehr viel Tallent, die man nicht verpassen sollte. Auf sie paßt der Titel ihrer vorletzten CD ebenso wie zu ihrer Musik: Pearl In a Wreckage.

Jan Allain: Ich glaube ich habe schon immer gesungen, und ich konnte mir schon immer gut Melodien merken. So habe ich auch alle Melodien der Kindersendungen und der Werbung gesungen und ich konnte sie mir alle schnell merken und ich hüpfte durch Zimmer und habe sie meinen Eltern vorgesungen und vorgespielt. Ich habe später dann Klavieruntericht gehabt und habe mich wohl auch ganz passabel angestellt. Die erste Gitarre die ich bewußt gehört habe war auf einer Platte mit Kinderliedern von Wally Whyten, er hatte eine tiefe, warme Stimme, so schön wie die beste Schokolade die man nur kaufen kann, und dazu wunderbare Gitarrenbegleitungen. Als ich ungefähr 10 Jahre alt war hatte meine Freundin schon eine Gitarre, und sie konnte Leonhard Cohen Songs spielen wie: "I loved you in the morning, your kisses sweet and warm...", oder: "your hair upon a pillow like a sleepy golden storm" und ich war sehr beeindruckt und habe mir auf ihrer Gitarre selber das Gitarrenspielen beigebracht. Wir haben später an einem Songwriting-Wettbewerb für Kinder teilgenommen und wir haben gewonnen, das war phantastisch und da war für mich alles klar. Ich habe mir weiterhin das Gitarrespielen selber beigebracht. Mein Vater kaufte mir eine Gitarre mit Nylonsaiten und ich spielte Folktunes und traurige Leonhard Cohen Lieder die ich sehr mochte. Und dann war da Onkel Bob, er war ein Country-Fan und ich habe ihn oft mit meinen Cousinen und Cousins in den Ferien besucht. Er war ein richtiger Rocker, mit der dazugehörigen Frisur und den genieteten Schuhen, und engen Jeans. Er sang zusammen mit meiner Tante Country- und Western-Balladen, sie sangen zweistimmig und er spielte Gitarre dazu. Sie traten auch in Clubs auf, und irgendwann dachte ich, ich möchte auch eine so große Gitarre haben. Onkel Bob war auch mein erster Lehrer, er zeigte mir einige Fingerpickingstücke die ich schnell beherrschte, und er sagte, daß ich einen richtigen Lehrer bräuchte. Und so kam ich zur Musikschule. Ich fragte dann nach einem Lehrer für Blues und Jazz, und so kam ich zu Denny Wright, einem phantastischen Gitarristen. Er spielte viel Django Reinhard und hatte eine wunderschöne Jazzgitarre mit F-Löchern. Und seit ich bei ihm Unterricht hatte (ich war ungefähr 12) spiele ich auf einer Steelstringgitarre, einer Dreadnoght Flattop, die mein Vater mir gekauft hat. Ich hatte einmal in der Woche Unterricht, und Danny Wright hatte zwei gelbe Finger an der rechten Hand, und ich dachte, wenn jemand richtig gut Gitarre spielt werden mit der Zeit die Finger gelb und ich habe erst viel später begriffen, daß es von den Zigaretten kam die er ständig rauchte. Er hatte mir beigebracht meine rechte Hand so zu benutzen, daß ich nicht mehr darüber nachdenken muß was sie macht. Ich habe alles was er mir zeigte aufgesogen. Viel später erst, als ich ihn in einem Konzert hörte habe ich begriffen wer er war und was ich für einen Lehrer hatte. Mit zwölf habe ich das nicht verstanden.

Hattest du viele Lehrer

Jan Allain: Ich habe dann noch einige Lehrer gehabt, wie Greg Carmichael vom Acoustic Alchemy Duo, von dem ich viel Technik für die linke Hand gelernt habe. Er hat mir, mit dem Metronom im Rücken beigebracht, wie man schnell über das Griffbrett kommt. Aber auch von Steve Cooney, der der beste Rhythmusgitarrist ist, mit dem ich jemals zusammengespielt habe, habe ich viel gelernt oder auch von Justin Nicholls, der auch als Co-Arrangeur auf "Pearl In The Wreckage" dabei war. Unter anderem hat er mir viel über Voicings auf der Gitarre beigebracht. Es gab auch eine Frau, von der ich viel gelernt habe, ihr Name ist Sue Triggs, eine Bluessängerin die in Oxford lebt, sie hat mir beigebracht Open Tunings zu spielen. Sie zeigte mir auch einen Bob Dylan Song "I Don't Belive You" in einer D A D Fis A D Stimmung. Die Gitarre wurde von diesem Moment an ein neues Instrument für mich. Es war für mich, als würde ich aus einem Kanu in eine Jacht umsteigen. Ich habe erst viel später bemerkt, daß Joni Mitchel schon vor Jahre diesen Weg gegangen ist. Wichtig jedoch war, daß alle die ich auf meinem Weg getroffen habe, mir etwas Entscheidendes beigebracht haben. Ich hatte ja nie eine umfassende Musikausbildung. Ich bin viel unterwegs und wenn ich die Gelegenheit habe, frage ich Leute, ob sie mir das eine oder andere zeigen. Und ich bin mir mittlerweile sicher, die Möglichkeiten der Gitarre sind endlos.

Welche Gitarristen haben dich auf der Bühne am meisten beeindruckt?

Jan Allain: Ich habe James" Blood"Ulmer gesehen, einen schwarzen Amerikaner, ein großartiger Jazzgitarrist, obwohl ich mehr von seinen Aufnahmen als von seinen Live-Auftritten beeindruckt bin. Sehr toll war auch Leo Kottke, den ich vor ein paar Jahren in der Festival Hall sah, Steve Conney, den ich sehr oft gesehen habe, Deidre Cartwright, ein wunderbarer Jazz-Gitarrist, der oft mit mir zusammen gespielt hat. Und ich habe George Benson und auch Joan Armatrading gehört. Joan Armatrading wurde nie als die Gitarristin wahrgenommen, die sie ist. Ihr Gitarrenspiel ist oft sehr energiereich und feurig und ich mag ihre Art zu spielen sehr! Und ich mag Rory Block, es ist wirklich wild was sie auf der Gitarre abzieht, da liegen kleine Holzstückchen von der Gitarre rund um ihren Stuhl auf der Bühnen wenn sie ein Konzert gespielt hat. Ich finde auch Anni DeFranco sehr gut, die ich gern einmal auf der Bühne sehen würde.

Du machst etwas, vor dem vielen Gitarristen graut, du spielst 0,13er Saiten, warum?

Jan Allain: Die erste Gitarre die mein Vater mir gekauft hat, hatte 0.13er Saiten drauf und ich hatte keine Ahnung, ob das Gut oder Schlecht ist. Als sie dann nicht mehr gut klangen -ich glaube da war ich schon fünfzehn, es war wie bei jedem der anfängt Gitarre zu spielen, die ersten Saiten bleiben drauf, bis einer kommt und dir sagt: "Um Gottes Willen, was sind das für alte Stricke, die mußt du wechseln.....". und so machte ich sie ab und ging damit ins nächste Geschäft und sagte ich wollte solche Saiten haben, und der Typ sagte: "Ich glaube nicht, Honey". Ich schaute ihn verständnislos an und ich sagte, die waren auf meiner Gitarre und er wollte mich überzeugen, daß die viel zu hart für mich sind, aber ich habe mich nicht davon abbringen lasse. Und so spiele ich immer noch so harte Saiten und heute weiß ich, die Power und diesen Klang bekommt man nur mit 0.13ern. Auf meiner zwölfsaitigen Lakewood spiele ich einen Light Satz, nehme aber 0.12 Saiten im Diskant und eine 0.13er als Bass-Oktavsaite. Aber auf meiner Martin D28 spiele ich 0.13er. Holger Reuning baut mir grade eine Gitarre speziell für meine offene D-Stimmung, darauf freue ich mich auch schon sehr, und das Publikum auch, weil ich dann nicht mehr so viel Stimmen muß.

Du erzählst in deinen Liedern Geschichten und Begebenheiten aus deinem Leben, wie bei "Pearl In a Wreckage" eine Liebeserklärung an Irland auf der gleichnamigen CD. Auf der Bühne läßt du aber immer offen worum es dir in den Liedern geht, warum?

Jan Allain: Eigentlich erzähle ich gerne Geschichten, und ich erzähle auch gerne die Geschichten die hinter meinen Liedern stehen. Aber ich bin da etwas vorsichtiger geworden. Einmal kam jemand und befragte mich zu einem Lied, und als ich erzählte worum es in diesem Lied geht, war sie unangenehm berührt, vielleicht sogar ein bißchen geschockt, sie dacht es ginge um die Liebe zu einem Menschen, aber es ging um einen Ort. Diese Begegnung war wie eine Unterrichtsstunde, ich habe gesehen, wie sich ihre Augen verändert haben. Wenn ich zuviel zu meinen Liedern erzähle nehme ich den Leuten die Möglichkeit sich selbst in den Liedern zu sehen, die Geschichten werden zu klar und das Geheimnisvolle verschwindet. Ja, manchmal möchte ich mehr erzählen, aber ich habe das Gefühl, ich sollte nicht. Meine Texte sind mir natürlich sehr wichtig, aber auf der anderen Seite muß ich auch sehen, daß ich viel in Deutschland arbeite, und daß das Publikum englisch höchsten als zweite Sprache hat, und ich somit durch meine Musik überzeugen muß.

Wie schreibst du deine Songs?

Jan Allain: Als erstes spiele ich Gitarre und mache dann meine Lieder daraus, nicht umgekehrt. Ich habe also kein Lied zu dem ich eine Gitarrenbegleitung suche, sondern ich habe erst einen Gitarrenpart, aus dem sich das Lied entwickelt. Die meisten meiner Lieder entstehen direkt beim Gitarrenspielen. Ich spiele die Gitarre, höre Akkorde die vielleicht zusammenpassen könnten, ich spiele Rhythmen die mir Spaß machen und dann entsteht etwas. Die Gitarre ist der Platz, oder der Raum zu dem die Melodie fliegt, wie ein Vogel, der genau an diesem Platz landet. Und die Melodie paßt in die Landschaft, die ich auf der Gitarre und ihrem Klang erschaffen habe. Manchmal träume ich auch eine Melodie, oder bekomme eine Idee während ich im Bus fahre, aber das ist eher selten. Ich muß mir dann überlegen, wie ich die Begleitung gestalte, und das ist für mich normalerweise schwerer als andersherum.

Wie machst du deine Texte, entstehen sie zusammen mit der Melodie?

Jan Allain: Ich weiß es gar nicht so genau, es ist für mich ganz einfach einen Text zu machen, aber wenn du mich jetzt fragst, wie das von statten geht, kann ich es dir gar nicht so genau sagen. Ich schreibe schon seit langer Zeit eigene Lieder, und der Prozeß ist immer etwas anders, und ich gehe da nicht analytisch vor. Oft singe ich bei einem Lied erstmal völligen Blödsinn, oder einfach Vokale, und ich weiß dann noch nicht was mir diese Melodie sagt. Je öfter ich sie singe, um so klarer werde ich mir darüber ob es eine traurige oder eine fröhliche Melodie ist. Ich habe einige Bücher mit Texten geschrieben, und manchmal ist etwas dabei was ich gebrauchen kann, und dann bringe ich das mit der Melodie zusammen. Manchmal entstehen Lieder aber auch einfach so, sind plötzlich da, mit allem was dazugehört, und das ist dann einfach wunderbar.

Du hast grade deine neue CD "Kind Of Glory" veröffentlicht, ein Zusammenschnitt deiner bislang erschienenen CDs, machst du lieber CDs, oder stehst du lieber auf der Bühne?

Jan Allain: Oh, ich mag beides, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich liebes sehr live zu spielen, ich mache das absolut gern. Es ist ein Privileg, ein Publikum zu haben das kommt, nur um mich und meine Lieder zu hören. Ich kann nur sagen, daß es mir riesigen Spaß macht auf der Bühne zu stehen, dann bin ich glücklich. Bei Aufnahmen mag ich die Konzentration, das Intensive, das Bemühen es so aufzunehmen wie ich es haben will. Und ich mag den Prozeß des Entstehens einer Aufnahme, die verschiedenen Spuren und wie eines zum anderen kommt. So haben wir bei der CD "Pearl In a Wreckage" für einen Teil der Aufnahmen ein Gitarre benutzt, bei der die Baßsaiten octaviert waren, also E1 /A (H2) / D (E1) / G3 / H2 / E1, oder bei einem anderen Titel brauchten wir einen Sound aus den 20er Jahren, und Tony Arnold, der Produzent, gab mir eine fürchterliche Gitarre mit unglaublich alten Saiten, und auf dem Band ist genau der Sound den wir gesucht hatten, und das hat einfach auch etwas magisches. Und ich mag es sehr, wenn andere mitspielen und ihre Ideen einbringen. Diese Ideen sind dann wie Geschenke für mich. Und das Mischen ist der geheimnisvollste Part bei der Geschichte, und es kann manchmal sehr frustrierend, wenn nichts richtig klappt.... , aber wenn es gut wird, dann ist es ein phantastisches Erlebnis. Auf jedenfall ist es etwas ganz anderes als die Arbeit auf der Bühne.


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Miguel Iven

"ARTE FLAMENCO" ist der Titel seiner Radiosendung auf NDR4 (alle zwei Monate von Montag bis Freitag um 23.05), und er straft alle Lügen, die behaupten der Norddeutsche sei dröge und mit seinem Temprament sei es auch nicht so weit her. Der Hamburger Miguel Iven ist spritzig, innovativ und auch in Spanien ein gefragter Flamencospieler. Sein Leben trägt den selben Titel wie seine Radiosendung, und ihn auf der Bühne zu erleben ist ein echtes Vergnügen.

Wie kamst du zur Gitarre?

Miguel Iven: Vergleichsweise spät, mit 15, 16, zum Begleiten von Beatles- und Anti-AKW Songs, aber da hatte ich schon ein halbes Dutzend anderer Instrumente durch. Der Klavierunterricht begann mit 7 Jahren, von 12 - 19 war ich Schlagzeuger in allen möglichen Rockbands, was sich später als gute Schule erwies, um Flamencotanz zu begleiten -der Job ist ähnlich-. In der Schul-Bigband spielte ich Trompete und Kontrabass... . Ich habe alles mögliche spielerisch ausprobiert, also irgendwann auch die Gitarre. Die Möglichkeit Musiker zu werden war bei mir zu jener Zeit aber noch gar nicht im Hirn, ich tat das Dümmste was man machen kann: Nach dem ABI direkt in die UNI, 4 Semester Psychologie...

Und wie kamst du dann ausgerechnet zum Flamenco?

Miguel Iven: Für 4,90 DM wurde bei 2001 eine leicht angestossene Platte (Fantasia Flamenca) von einem gewissen Paco de Lucia verramscht, irgendwie hab ich sie nichtsahnend mitgenommen und von da an lief sie bei mir Tag und Nacht, bis ich jede Note mitsingen konnte und fast aus der WG geflogen wäre. Vieles hatte ich kennengelernt an Musik, aber nichts hatte mich auch nur ansatzweise so berührt. Ich war mir sicher, daß es mindestens drei Gitarren zugleich sein müssten, wohl mit Stahlsaiten, bei dem scharfen Sound, das schien mir mit Nylon unmöglich, ich hatte ja überhaupt keine Ahnung. Zwei Monate später spielte Paco in der Hamburger Musikhalle, seine beste Platte, Almoraima (1977), war gerade erschienen, ich saß in der zweiten Reihe und seit dem läuft mein Leben aus dem Ruder ... Das war es, was ich immer gesucht hatte, eine musikalische Sprache, mit der ich mich wie seit Ewigkeiten vertraut und eins fühlte. Frisch Verliebte fühlen so ... Dieser Zustand hat sich mit der Zeit immer weiter verschärft und vertieft, fast 25 Jahre geht das jetzt schon so. Ich hatte ein Riesenglück: Ich wußte plötzlich ganz genau was ich wollte.

Hast du dann in Hamburg Flamenco gelernt?

Miguel Iven: Da ich nun den völlig utopischen Berufswunsch "Flamencogitarrist" ins Auge gefasst hatte, wollte ich zunächst mal eine solide Basis und begann am Hamburger Konservatorium offiziell das Musikerhandwerk zu studieren (Hauptfach Klassische Gitarre). Die hervorragende theoretische Ausbildung bei Prof. Peter Hartmann war für meine späteren Kompositionen von großem Nutzen. Zwischendurch war ich noch ein Jahr am Konservatorium in Cordoba, das damals gerade den ersten Studiengang für Flamencogitarre eingerichtet hatte. Aber das war auch nicht ganz das Wahre und irgendwie spürte ich schon: Flamenco kann man nicht von Gitarristen lernen, ich suchte etwas anderes. Ich machte so schnell wie möglich meinem Abschluß in Hamburg ging wieder nach Spanien...

Von wem hast du es dann gelernt, wenn nicht von den Gitarristen?

Miguel Iven: O.k., natürlich habe ich noch den einen oder anderen Gitarristen aufgesucht, schon aus Neugier Leute kennenzulernen. Meistens kam es dann zu einer Art Austauschunterricht, Lauro-Walzer gegen Bulerias-Falseta, z.B. Aber wenn es irgendwann nicht mehr um Fingertechnisches geht, sondern um das Eigentliche im Flamenco, sollte man dazu übergehen von Tänzern und Sängern zu lernen. Der ganze "Ausbildungsgang" in Spanien ist ja völlig anders als das, was ein Deutscher erwarten würde : Ein Jugendlicher, der Flamencogitarrist werden will, geht in eine Tanzakademie und setzt sich neben den dort arbeitenden Gitarristen und versucht mitzuspielen so gut er kann. Da wird nicht viel erklärt oder herumanalysiert, der Lehrling ist darauf angewiesen mit Ohr und Auge gut zu beobachten und das komplizierte Zusammenspiel intuitiv zu begreifen. Das zwingt ihn von Anfang an kognitiv andere Kanäle zu entwickeln und auf das Wesentliche zu achten, Gitarristen neigen ja sonst eher zu leicht selbstbezogener Detailfuchserei .

Wann hast du dann deine Lehre in Spanien begonnen?

Miguel Iven: Ich bin 1986 nach Sevilla gezogen um dort in der besten Tanzakademie, bei Manolo Marin, auf genau diese Weise quasi nochmal von vorn anzufangen. Die Saiten mit einem Stück Schaumstoff, der "Sordina", gedämpft, durfte ich versuchen dem hervorragenden Rafael Rodriguez "El Cabeza" hinterherzukommen. Doch nach zwei Wochen bekam dieser ein Engagement im besten Tablao Sevillas "Los Gallos", wo er heute noch zu hören ist. Meister Manolo Marin war nicht sehr erfreut ihn zu verlieren, blickte in die Runde und sagte "Miguel, morgen machst du weiter, o.k. ?" Ich wußte garnicht, daß einem das Herz so weit in die Hose rutschen konnte, die besten jungen Profis Sevillas waren bei Marin im Unterricht, das Niveau allererste Liga, und ich wollte doch lernen ... Jetzt mußte ich können ! "Wenn du wissen willst ob du fliegen kannst, mußt du in einen Abgrund springen", sagt eine spanische Redensart lakonisch. Anfangs habe ich Blut und Wasser geschwitzt und manchen cholerischen Anfall über mich ergehen lassen, aber dann machte mir der Job so viel Spaß, daß ich drei Jahre dort geblieben bin. Jeden Tag von morgens 10 bis abends um 21 Uhr, und im Sommer Auftritte in ganz Andalusien mit Marins Ensemble. Die für Flamenco wirklich wichtigen Dinge habe ich dort gelernt, von den erstklassigen Tänzern und Sängern, die kamen. Es geht darum, sich mental synchron zu schalten mit der rhythmischen Vorstellungswelt der Tänzer und den Phrasierungsmustern und Melismen im Gesang. Dann lernt man mit der Zeit "um die Ecke zu gucken", ahnt was die Leute vorhaben. Und nach und nach entsteht dabei etwas qualitativ Neues : Eine Flamencogitarre, die auch allein immer ein bißchen so klingt, als wären Tanz und Gesang dabei. Alle bekannten Sologitarristen in Spanien sind hörbar diesen Weg gegangen, und umgekehrt tanzen die flottesten Saitenvirtuosen anderswo auf äußerst dünnem Eis, wenn ihnen diese Erfahrung fehlt ...

Wie kommt man in eine solche Schule, muß man vorspielen, oder sagen die einfach:" halt die Klappe und spiel?" oder wie muß man sich das vorstellen?

Miguel Iven: Nun, das Beste ist sicher man wird von jemandem eingeführt, der dort schon bekannt ist. Aber man kann sich natürlich auch selbst vorstellen und dann hängt viel vom Auftreten ab, aber natürlich auch vom Spiel. Generell würde ich sagen, je mehr man schon kann, umso besser. Man sollte z.B. eine Soleá von einer Seguiriyas unterscheiden können und ungefähr wissen, worauf es dabei ankommt und was einen erwartet. Nicht so wichtig sind schnelle Finger, Virtuositäten oder tolle Solos, denn beim Begleiten sind ganz andere Dinge gefragt ... , und die Sprache ist natürlich enorm wichtig, Flamencoleute sprechen nur in seltenen Ausnahmefällen etwas anderes als stark andalusisch gefärbtes Spanisch. Wer im Flamenco was erreichen will, muß Vokabeln büffeln. Am besten gleich anfangen, VHS oder wo auch immer. Denn je mehr man versteht und sprechen kann, um so schneller ist man "drin" im Ambiente. Wer nicht oder nur wenig spricht hat ganz schlechte Karten und außerdem verpasst er das Beste ...

Was macht für dich den Reiz dieser Musik aus?

Miguel Iven: Oh, die Frage sprengt eindeutig den Rahmen, zuvieles fällt mir dazu ein ! Es ist wohl eine Art Wahlverwandschaft, Flamenco ist ja viel mehr als "nur" Musik... Was mich dabei persönlich mehr als alles Andere fasziniert, ist die Art zu leben, die Kultur, die dahinter steht. Töne und Körperarbeit sind ja nur der sinnliche Ausdruck einer zwar ungeschriebenen, dafür aber gelebten Philosopie und Ästhetik, die, geschaffen von Analfabeten und Habenichtsen, auf der Welt ihresgleichen sucht. Flamenco will,im Idealfall, nicht gefällig sein, sondern ehrlich. Es geht nicht um Perfektion und schönen Schein, sondern um Authentisches, um etwas, das in der Persönlichkeit des Einzelnen liegt, das Eigentliche. Ich habe in Sevilla Flamencoweltstars sich vor Schuhputzern in Bewunderung verneigen sehen, weil diese etwas scheinbar Unbedeutendes auf so unnachahmliche Weise improvisieren konnten, daß einem die Spucke wegblieb. Der ganze Terror von wegen "sei jung, schön und erfolgreich" , der heute ja immer härter wird, hat im Flamenco keine Chance, im Gegenteil : Ältere haben einfach mehr zu sagen, Persönlichkeit hat Kanten und Furchen, Armut ist keine Schande. Flamencos wollen echte Juwelen, keine polierten Glasperlen. Sie wollen gnadenlos den Moment, die nackte Wahrheit spüren und keine Theatervorstellung erleben. Man kann sie in der Regel daran erkennen, daß sie zumeist ohne viel Umschweife und, deutlich bis pointiert, direkt auf das Wesentliche zu sprechen kommen. Oft haben sie eine Art 6.Sinn für Menschen, einen Blick für das Wesen. Und wie Camaron in einem alten Fandango sang, wollen sie weder über andere bestimmen, noch von irgendjemand bestimmt werden ...

Bei meiner sicher bescheidenen Flamencosammlung ist mir aufgefallen, das nur ganz selten Titel nachgespielt werden, ist es generell so, daß jeder Musiker auch Komponist ist, und macht sich jemand die Mühe seine Musik aufzuschreiben ?

Miguel Iven: Na ja, von einem Flamencogitarristen wird wie selbstverständlich erwartet, daß er auch sein eigener Autor ist. Ein ganz wichtiger Punkt für mich, denn als reiner Interpret fremder Werke, wie z.B. in der Klassik, könnte ich nicht leben. Zu den schönsten und aufregendsten Momenten in meinem Künstlerdasein zählen die Augenblicke, wo die Gitarre zu mir sagt :" Leg du nur die Finger drauf und laß mich machen !" Und dann beginnt sie dir eine ganz neue Geschichte zu erzählen, so als wäre der Mensch das Instrument auf dem ganz jemand anders spielt ... Die Herausforderung innerhalb des Flamencoszu komponieren besteht darin, etwas Originelles zu finden, daß dem sehr genau definierten Rahmen der jeweiligen Flamencoform entspricht. Es reicht nicht, wenn Ideen sich einfach auf persönliche Art im Niemandsland entwickeln, sie müssen in die Form passen und ihr entsprechen, darin besteht die Kraft guter Flamencostücke. Eine neue Soleá z.B. muß bei allen verrückten Einfällen neben der Bindung an Metrik und Tonalität immer auch das typische, traditionelle dieser Form durchhören lassen. Im besten Fall fühlt sich ein Sänger oder eine Tänzerin inspiriert, dann ist es gut ! Neue Einfälle werden meistens einfach auf Band gespielt und so konserviert. Es gibt einige gute Transkriptionen in Noten und Tabulatur, die sind aber eigentlich nie vom Gitarristen selbst verfasst, was damit zusammenhängt, daß kaum einer Noten lesen oder schreiben kann. Ich bin übrigens gerade dabei einige meiner Kompositionen aufzuschreiben , die demnächst veröffentlicht werden sollen.

Bei meiner Lektüre einer großen Versandfirma, die dieses Jahr zum Namen hat, war zu lesen : "Miguel Iven heißt Flamenco nach Sevilla tragen". Wo und mit wem hast du deine CDs aufgenommen, und gibt es bald eine Neue?

Miguel Iven: Nachdem ich meine erste Solo CD "Guitarra flamenca" 1991 in Hamburg aufgenommen hatte, ging ich damit voller Gottvertrauen zur wichtigsten Flamencofirma in Sevilla, PASARELA, erzählte meine Geschichte und fragte, ob sie nicht den Vertrieb der Platte für Spanien übernehmen wollten. Zugegeben, man hat mich ziemlich amüsiert gemustert, blieb aber höflich und versprach die CD mal anzuhören. Ein paar Tage später kam ich wieder, und nun war der Empfang so überschwenglich, wie es einem nur in Sevilla passieren kann. Ich solle bitte gleich zum Chef kommen, wir wurden uns schnell einig und die Verkäufe sind bis heute ganz ordentlich. Meine Live-CD mit José Parrondo (Emoción, 1995) läuft über NUBA in Madrid, und die letzte, "¡ Que vaivén !" 1998), ebenfalls bei PASARELA. Es ist eine Erfahrung, wie ich sie vielerorts in Spanien gemacht habe : Natürlich wird am Anfang immer ein bißchen gefeixt, ein Flamencogitarrist aus "Hamburgo" , hua hua, aber da muß man durch. Die Meisten honorieren dann auch ganz selbstverständlich das, was sie hören. Hut ab ! Überhaupt : Wenn es Ausländern bei uns so erginge, wie mir in Andalusien, wären wir hier um einiges freundlicher ... Das Material für eine neue CD habe ich schon zusammen, ich warte allerdings zur Abwechslung mal auf ein vernünftiges Angebot, mich treibt ja niemand. Außerdem war ich das letzte Jahr vorwiegend mit meiner bisher wichtigsten Produktion beschäftigt, und das ist meine Tochter, Sara Sofia.

An welchen Projekten arbeitest du zu Zeit?

Miguel Iven: Den größten Teil meiner Arbeit machen nach wie vor die Solo-Konzerte mit ausschließlich eigenen Kompositionen aus, ich fühle mich pudelwohl damit. Darüberhinaus arbeite ich immer sehr gern mit Tanz und Gesang, im letzten Jahr hatte ich ein große Tour mit Marcelo Sousa, dem Cante-jondo Sänger aus Sevilla. Auch mit meinem langjährigen Partner José Parrondo stehen dieses Jahr wieder Konzerte an, wir feiern unseren kurioserweise gemeinsamen Geburtstag und siebenjähriges Bühnenjubiläum am 8. September auf der Bühne beim Flamencofestival in Hannover. Das frischeste und aufregendste für mich ist jedoch das erste Duo-Programm mit meiner Frau Mónica Iven, das Anfang des Jahres Premiere hatte. Sie tanzt, sie singt, sie spielt Querflöte - und mich an die Wand! Wir haben einige der Canciónes populares españolas von de Falla und Garcia Lorca neu für uns arrangiert, mit einem guten Schuß Flamencoästhetik werden die plötzlich wieder quicklebendig... .

Diskografie :

Miguel Iven "Guitarra flamenca " 1991, Müggenpark Records

José Parrondo & Miguel Iven "Recital de cante flamenco" 1995, Emoción

Miguel Iven "¡ Que Vaivén !" 1998 Selbstverlag, über : www.miguel-iven.de


Zur Auswahl

Duo Nassler-Schneider

Das Duo Nassler-Schneider tourt seit Jahren durch die Lande. Das Dresdener Duo feiert bald seinen 10. Geburtstag und ist in den Jahren gewachsen, unter anderen zu einen Quintett, das im Herbst 2001 auf Tour geht. Die klassischen Pfade hat das Duo schon lange verlassen und bereichert inovativ die Szene. Anfang November trafen wir uns in Bad Hersfeld und führten folgendes Gespräch.

Wie ging es los?

Silvio: Wir haben zu meiner Examensprüfung richtig angefangen zusammen zu arbeiten, das war 1991. Es war unser erstes gemeinsames Projekt und es war auch meine erste ernstzunehmende musikalische Arbeit.

Jörg, du hattest aber vorher schon solistisch gearbeitet, oder?

Jörg: Na klar, ich habe solistisch gearbeitet, aber vorwiegend habe ich mit Karl Heinz Saleh im Dresdener Gitarrenduo Musik gemacht. Dazu kommt die sehr intensive zusammenarbeit des Dresdener Gitarrenduos mit dem Liedermacher Gerhard Schöne und eine eher sporadische Zusammenarbeit mit dem Cellisten Ulli Thiem. Das sind so die drei Hauptprojekte, die ich gemacht habe.

Welche Art von Musik war es?

Jörg: Es war schon ähnlich wie das, was ich jetzt mache: Hauptsächlich eigene Stücke, mit der selben Mischung. Flamenco war schon immer ein interessantes Gebiet für mich, dann der Latin-Jazz und damals auch noch stärker als heute die Einflüsse der klassischen Musik. Ich hatte auch irgendwann eine CD mit meinen klassischen Lieblingsstücken aufgenommen, die allesamt nicht in die schwere Kategorie gehören, aber einfach gut klingen. Das hat mir total viel Spaß gemacht. Ich würde sie so heute nicht mehr aufnehmen, aber damals war es für mich ein sehr interessantes Projekt. Solo habe ich sonst nur zu Ausstellungseröffnungen und zu kleinen Anlässen gespielt, es hat mich auch einfach nie so gereizt wie ein Duo.

Wie seid Ihr jetzt darauf gekommen Duo zu spielen, wie entstand das?

Jörg: Wir waren vier Jahre lang Lehrer Schüler als ich an der Hochschule unterrichtete. Als mein Studium zu Ende war, kam Silvio als Student zu mir, und da haben wir gemerkt, daß wir gut miteinander auskommen, uns gut streiten können und wir musikalisch gut zusammen passen. Dazu kam, daß das Dresdener Gitarrenduo für mich immer unlukrativer wurde, weil Karl-Heinz Saleh sehr weit weggezogen ist und nach 13 Jahren auch die Luft ein bißchen raus war, und so war es ganz gut, daß es gleich einen gleitenden Übergang gab.

Silvio: Wobei wir es erstmal gar nicht als langfristiges Projekt gesehen haben.

Zum Examen hatte ich mehrere Blöcke, einen klassischen Block, eine

Band, die etwas jazziger war und einen Duoblock von zwanzig Minuten. Und wenn der Duoteil nicht geklappt hätte, wenn das nicht gut zusammengelaufen wäre, hätten wir das Projekt nicht weiter in Angriff genommen und es wäre sozusagen einmalig gewesen. Doch da es so gut lief, haben wir uns gedacht, daß wir das Duo auch noch professioneller angehen könnten.

Die Stücke auf den CDs sind von euch, wer macht die, entwickelt ihr die Stücke gemeinsam oder gibt es "den musikalischen Kopf" bei euch?

Jörg: Die Stücke sind jeweils von einem komponiert und auch arrangiert und werden in einer sehr fertigen Ausführung vorgestellt. Es ergeben sich dann natürlich auch noch Sachen durchs Spielen, wenn die Ideen des Anderen mit einfließen, es wird mal ein Ablauf geändert , aber es gibt schon immer klare Vorgaben dessen, der das Stück geschrieben hat.

Und ist es dann so, daß der größte Teil arrangiert ist, oder wird vieles Improvisiert?

Silvio: Ich denke mal, daß höchstens ein Fünftel improvisiert ist, der Rest ist auskomponiert und festgelegt. Es ist in vielen Stücken ein kleiner improvisierter Teil, aber es ist nicht so wie im Jazz: Thema - Improvisation - Thema - Improvisation -Thema - Improvisation ...........

Jörg: Da sind wir sicher an einem Punkt, der unsere Musik ausmacht: Wir sind nicht die großen Impovisatoren wie die Jazzmusiker und könnten auch in so einem Bereich nicht wirklich mitreden.Seitdem wir eigene Sachen spielen, haben wir immer das Verlangen alles zu gar nicht passiert, daß er denkt:" Oh mein Gott, jetzt spielt der andere auch noch ein Solo..".

Woher kommen eure, ja offensichtlich reichhaltigen, Ideen?

Silvio: Bei mir kommen sie einfach aus dem normalen Alltagsleben, aus Eindrücken von Reisen oder auch von Tourneen, wie sie auch auf der letzten CD sind. Aber auch Landschaften, Begegnungen mit Menschen und einfach das, was mir täglich passiert.

Gibt es musikalische Vorbilder?

Jörg: Jede Menge! Auch aus ganz verschiedenen Bereichen. Das Stichwort Flamenco hatten wir ja schon, wir spielen ja überhaupt keinen Flamenco, wollen es auch gar nicht, aber ich höre es sehr viel, einfach weil es mir unglaublich gut gefällt, und weil es mich enorm fasziniert, daß diese Musik so unergründlich ist und so etwas Magisches hat, sie ist in einem Moment soft und im nächsten Monent explodiert sie. Ich kenne keine andere Musik, wo es so schroffe Klippen gibt, und ich habe nie ganz verstanden, wie das funktioniert. Und im Flamenco gibt es so viele unglaublich gut Leute, die ich jetzt gar nicht alle aufzählen könnte. Und letztlich ist es sowieso die Musik als ganzes und nicht einzelne Namen. Ich höre auch viel gute Rockmusik aus vielen Richtungen, wie Tori Amos, Steely Dan, aber auch viele Liedermacher, da speziell auch die Singer-Songwriterinnen und einen schmalen Bereich vom Jazz, so die Mainstream- und Rockjazz- Richtung.

Silvio: Bei mir kommt noch der ganze Bereich der brasilianischen Musik dazu wie Baden Powell, Badi Assad und Jobim, von dem wir auch ein Stück auf der letzten CD haben. Ich höre aber auch genau so gern reine Percussionmusik, oder auch Musik, wie sie die Assad Brüder machen, was eine ganz andere Richtung ist, die mich aber auch sehr beeindruckt, vor allem das Kommunikative dieser beiden, wenn man sie auf der Bühne sieht. Genau so gerne höre ich aber auch Piazolla, von dem wir auch Musik auf unserer letzten CD haben, und so unterscheidet sich diese CD auch von den anderen, weil wir auch Musik von anderen und nicht nur eigenes spielen und dadurch den Rahmen weitergefaßt haben.

Wir hatten das Stichwort Percussion, ihr arbeitet ja viel mit Jörg Ritter zusammen, der auf den beiden letzten CDs auch den Percussionpart gespielt hat, vielleicht ein paar Worte zu Duo plus oder zu dem Trio das ihr dann seid.

Jörg: Wir haben uns im Studium kennengelernt. Er war Gast auf unser ersten CD, und ich denke, er trifft einfach mit seiner Art und seiner Art und Weise sein Percussionset zusammenzustellen, wie er spielt, unseren Nerv. Es gibt viele Musiker, die auch sehr gut sind, denen aber unsere Musik nicht lange genug groovt, zu schnell abbricht, die einzelnen Teile der Stücke zu schnell wechseln, denen wir zu knisplig sind, eben nicht wie bei z.B. beim Salsa, wo die Musik losgeht und dann eine Viertelstunde gespielt wird und durchläuft, das machen wir ja nicht. Und Jörg Ritter ist einer der Percussionisten, die manchmal auch darüber maulen, aber er versteht es mit sehr defizielen Mitteln sehr differenzierte Klangbilder dazuzubauen. Er begleitet uns nicht einfach, sondern er spielt wirklich mit. Er ist somit der dritte Mann in der Band, und nicht nur die Rhythmsection, die im Hintergrund spielt.

Silvio: Wir haben das gemerkt, als er als Gast dabei war, daß er gute Ideen hatte und es auch menschlich sehr gut klappt. Und es auch einfach Spaß macht mit ihm unterwegs zu sein und dadurch hat sich das so ergeben. Wir haben auch mit anderen zusammengespielt, die auch sehr gut sind, aber Jörg paßt einfach ausgesprochen gut zu uns. Und wir machen ja jetzt auch schon seit fünf Jahren Musik zusammen.

Jörg Ritter hat ja auch seine eigene Percussion-Band "Nyoto", habt Ihr da mal etwas zusammen gemacht?

Silvio: Nur einmal, auf der Release-Party zu unserer CD "Triologe".

Ihr habt mal kurz mit Conny Sommer zusammengespielt...

Jörg: Ja, Conny Sommer ist mal bei einer Tour eingesprungen, als Jörg nicht konnte. Conny ist eher ein Cajon Spieler, der hat kein Set von vier mal fünf Metern auf der Bühne und es ist Klasse, was er aus so einer billigen, und mehr ist es ja eigentlich nicht, Holzkiste rausholt. Wir haben auch auf der Messe schon zu viert zusammen Musik gemacht, und es ist so ein bißchen eine Traumbesetzung von uns, die sich aber aus verschiedenen Gründen nur selten verwirklichen läßt. Schön ist sie vor allem, weil wir uns dann auch mal zurücklehnen können und die zwei untereinander was machen, und live gewinnt die Geschichte nochmal enorm.

Auf euren CDs sind auch immer andere Musiker zu Gast, sind da noch andere Projekte oder Touren geplant?

Silvio: Oh ja, gutes Stichwort! Nächstes Jahr haben wir 10jähriges Bestehen und planen eine "Anniversary"-Tour. Dabei werden wir uns selber einen Traum erfüllen, nämlich unsere Trio-Besetzung aufzustocken zu einem Quintett, in dem wird Volker Schlott dann Saxophon und Flöte spielen und Tom Götze Bass. Wir erhoffen uns natürlich viele Impulse von beiden, und es wird sicher für uns ein echter Höhepunkt in der Arbeit der letzten Jahre werden, auch im Vergleich zu allen Projekten, die wir bisher so gemacht haben.

Gibt es davon schon Kostproben auf der letzten CD, die im März 2000 erschienen ist?

Jörg: In der Besetzung sind noch keine Stücke eingespielt worden, aber es werden auf der Tour natürlich Stücke auch von der letzten CD gespielt werden. Volker Schlott spielt einfach super gut, ohne daß man überhaupt großartig proben muß. Wir haben uns anfangs unglaublich Gedanken gemacht, was er denn dann spielen soll. Das war gar nicht nötig. Er hat sich das angehört und die Noten angesehen und es war viel besser als das, was wir uns da gedacht hatten. Er konnte uns immer überraschen! Und Tom Götze ist einfach der beste Bassist, den ich kenne. Er ist nicht international bekannt, und es ist unglaublich, das er in Dresden rumhängt. Es sind für uns einfach zwei Traummusiker. Wir werden denen soviel Freiraum wie möglich lassen, denn dann kommen soviel Ideen dazu, und das wird die Musik richtig weiterbringen. Und Volker Schlott kann eben auch zehn Minuten improvisieren, ohne daß es langweilig wird.

Jörg sagte vorhin, daß er auch viel Singer/Songwriter hört, sind diesbezüglich Aktionen geplant?

Jörg: Ja, ich habe nach wie vor das Projekt mit Gerhard Schöne und geplant ist noch eine CD mit Diane Ponzio aus New York. Wir haben da aber keine Termine und auch keinen Zeitdruck, das wird irgendwann kommen. Und ich kann mir auch mit anderen Leuten gut was vorstellen, aber das ist eine ganz andere Schiene, und ich kann das auch sehr scharf trennen. Aber es ist auch nicht auszuschließen, das wir da was mit dem Duo machen, aber da ist jetzt nichts geplant.

Silvio: Wir haben auch schon einmal überlegt, nicht nur immer Gitarrenmusik und zu zweit, sondern auch mal mit einer guten Sängerin Musik zu machen,....

Jörg: Ich finde es sowieso gefährlich, sich an einer Schiene festzuhalten, manchmal denke ich auch, Scheiß Gitarrenmusik, manchmal ist das ein so engstirniger Bereich, und oft ist es so, Gitarristen spielen für Gitarristen und es interessiert nicht mehr viele, und da mal rauszugucken, finde ich äußerst wichtig und interessant. Ich mag Gitarre natürlich sehr gern, aber ohne die anderen würde es auf Dauer stinklangweilig werden. Ich bewundere da eher so Leute wie Branford Marsalis, die ganz verschärften Jazz machen, was wirklich relativ wenige interessiert, aber genau so jazzig bei Sting spielen und alle dastehen und sagen: "meine Güte, was für tolle Bläser" und ich halte es für sehr wichtig, das man sich nach außen öffnet. Und da ist z.B. ein Projekt mit einem Sänger, wo an uns ganz andere Anforderungen gestellt werden, ganz wichtig.

Was ist denn noch geplant?

Jörg: Ja jetzt im April machen wir eine Tour mit Ulli Bögershausen und Reinhold Westerheide. Wenn wir zum Quartett werden bei dieser Tour, werde ich dann fast nur noch Fretlessbass spielen, Reinhold Marimbaphon, was er ja auch studiert hat, und die anderen zwei Gitarren und Percussion. Und so wird aus zwei Gitarrenduos eine Band, die ganz was anderes macht, wie dann auch die Musik deutlich anders sein wird. Wir haben das voriges Jahr probiert und werden es dieses Jahr wiederholen.

Silvio: Viel Spannung kommt da auch durch die Unterschiedlichkeit der Musiker, die sich aber auch gut ergänzen. Es gibt dann einen dreigeteilten Abend: Jedes Duo ein Set und ein Set alle zusammen als Quartett. Das läuft jetzt im Frühjahr und wie gesagt im November/Dezember die Jubiläumstour mit dem Quintett. Und es wird eine neue CD geben, so eine Art "best of", mit alten Stücken neu arrangiert und auch ein paar ganz neuen Stücken.

Jörg: Ob es noch eine Live-CD vom Quintett gibt, wissen wir noch nicht, wir werden es jedenfalls mitschneiden. Und wenn das richtig gut wird, dann machen wir wohl auch eine CD daraus.

Silvio: Anfang des Jahres sind wir nun auch zum dritten Mal in Amerika auf Tour, vor allem in Kalifornien, dieses Jahr aber auch in Nevada und in Kanada. Das war für uns auch eine tolle Erfahrung, wie die Amis sich präsentieren, ihr Marketing machen und, und,und.... man muß das nicht alles übernehmen, aber man kann eine Menge lernen.

Jörg: Und außerdem ist es da schön warm.

Ich finde das war ein super Schlußwort, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche euch weiter viel Erfolg.


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